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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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155 muss seine Identität mit einem behördlichen Lichtbildausweis belegen. Die anonyme telefonische Aufgabe ist im Auslandsverkehr unzulässig. Der gesamte Verkehr mit dem Ausland wird zudem über die Telegrafenzentral­station in Wien geleitet, damit er gemäß Beschluss des Alliierten Rates vom 18. Dezember 1945 zensuriert werden kann. Die Post hat auf den ei­gentlichen Zensurdienst zwar keinen Einfluss, doch muss sie dafür sprach­kundiges Personal einstellen, für alle anfallenden Kosten aufkommen und Räumlichkeiten bereitstellen. Und sie hat selbstverständlich den Anse­hensverlust hinzunehmen, den sie in der Öffentlichkeit infolge zensurbe­dingter Verzögerungen erleidet. 6 Dieser fällt entsprechend groß aus, wenn verdächtige Nachrichten von den Zensoren mit einerLagerfrist von zwei Monaten belegt und erst dann zugestellt werden. Eine derart verspätete Zustellung hat natürlich zur Folge, dass sich so manche Angelegenheit bei Auslieferung längst erledigt hat. Vor allem im Verkehr mit dem Ausland ist die Aufgabe eines Telegramms nach vielen Zielländern zudemNur auf Gefahr des Absenders oderAuf eigene Gefahr möglich. Die Telegra­fenverwaltung übernimmt keinerlei Garantie. 1947 endet die Zensur für Inlandstelegramme, für solche ins Ausland bleibt sie noch bestehen. Ab 1949 gibt es einen regulären Telegrammver­kehr mit Deutschland, genauer gesagt, einen mit der Ost- und einen mit der Westzone. Es ist das Jahr, in dem auf dem Boden des geteilten Landes zwei deutsche Staaten Gestalt annehmen, die Bundesrepublik Deutsch­land im Westen und die Deutsche Demokratische Republik im Osten. 7 Obwohl die Fronten desKalten Krieges zwischen den Westmächten und demOstblock immer deutlicher hervortreten, setzt im weltweiten Nachrichtenverkehr eine gewisse Normalisierung ein. Im Frühjahr 1950 ratifiziert Österreich den Weltnachrichtenvertrag , der 1947 in Atlantic City geschlossen wurde und eine reibungslose Zusammenarbeit auf internatio­naler Ebene gewährleisten soll. Über das Kabelnetzwerk der Post und die Funkverbindungen der Radio Austria sieht sich Österreichwieder an den Weltverkehr angeschlossen. 8 1953 fällt auch die Zensur für Auslandste­legramme, wodurch ihre Erledigung deutlich schneller erfolgt, schon deshalb, weil sie nicht mehr über Wien geleitet werden müssen. 9 Auch die Entwicklung des heimischen Telefonnetzes weist in Richtung Weltverkehr. Der Reparatur unmittelbarer Kriegsschäden folgt der syste­matische Ausbau. Immer mehr Gegenden der Republik werden erschlos­sen und die Voraussetzungen für den Selbstwählverkehr geschaffen. Auf der Grundlage eines internationalen Abkommens, geschlossen 1946 in Montreux, entsteht in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre für interurbane und internationale Telefonverbindungen ein europäisches Koaxialkabel, das im Vergleich zu seinen Vorläufern ein Vielfaches an Kapazität be-