Heft 
1936: Drittes Heft
Entstehung
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Mitteilungen und Berichte.

Zum ehrenden Gedenken österreichischer Techniker und Erfinder in Form einer Briefmarkenreihe hat die Generaldirektion für die Post- und Telegraphen­verwaltung über Antrag des Forschungsinstitutes die Herausgabe von sechs Wohl- tätigkeitsmarken für 1936 mit folgenden Bildnissen beschlossen: Josef Ressel, 17931857, Schöpfer des SchraubendampfersCivetta 1829; Carl von Ghega, 18021860, Erbauer der Semmeringbahn; Josef Werndl, 18311889, W T affen- techniker; Carl Auer Freiherr von W t elsbach, 18581929, Erfinder des Gas­glühlichtes, der elektrischen Metallfadenlampe und des Cereisens; Robert von Lieben, 18781913, Erfinder der elektrischen Verstärkerröhre; Viktor Kaplan, 18761934, Schöpfer der Kaplanturbine. Diese Markenreihe über österreichische Techniker und Erfinder soll am 6. Dezember 1936 der Öffentlichkeit übergeben werden.

Das Forschungsinstitut unterhält mit der Zentralstelle für Denkmalschutz im Bundesministerium für Unterricht einen regen Verkehr und hat schon eine Reihe von Gutachten über die Erhaltung technischer Kulturdenkmale und deren Stellung unter Denkmalschutz abgegeben, z. B. über die Erhaltung des Gosauzwanges, jener altberühmten Überbrückung des Gosautales durch die Soleleitung von Hallstatt nach Ebensee, und übet das Riesenrad im Wiener Prater. Ein praktisches Beispiel zur Erhaltung technischer Kulturdenkmale war die vom Forschungsinstitut veranlaßte Aufdeckung und Restaurierung eines alten Wandgemäldes in Leithen bei Seefeld in Tirol, die durch eine Spende der Ichthyol-Gesellschaft in Reith in Tirol ermöglicht wurde. Das aus dem Jahre 1537 stammende Gemälde stellt den sagenhaften Kampf des nordischen Ritters Haymon mit dem bäuerlichen Riesen Thyrsus dar. Aus dem sogenannten Thyrsenblut wird heute noch das Heilmittel Ichthyol gewonnen.

Zur Erhaltung technikgeschichtlicher Archivbestände in den österreichischen industriellen Unternehmungen hat das Forschungsinstitut mit dem Archivamt des Bundeskanzleramtes Verhandlungen geführt und eine Reihe von Vorschlägen zur Anlegung von Betriebsarchiven gemacht, die aber infolge der Notlage der betreffen­den Betriebe einstweilen noch nicht durchgeführt werden konnten. Doch ist die Erhaltung der Bestände der Betriebsarchive für die Technikgeschichte eine un­bedingte Notwendigkeit, weshalb das Forschungsinstitut diese Angelegenheit zur geeigneten Zeit wieder auf greifen wird.

Eine Reihe von Mitarbeitern des Forschungsinstitutes hat im Rahmen einer Vortragsfolge ,,Aus der Geschichte der Technik im österreichischen Rundfunk gesprochen. Diese Vorträge sollen fortgesetzt werden.

So hat das Forschungsinstitut trotz der bestehenden finanziellen Bedrängnis schon in den ersten Jahren seiner Wirksamkeit seine vaterländische Aufgabe auf dem Gebiete der österreichischen Technikgeschichte in vollem Maß erfüllt und dank der selbstlosen Mitarbeit der beteiligten Fachkreise beachtenswerte gemein­nützige Ergebnisse erzielt.

Wien im Juli 1936.

Der Vorsitzende des Arbeitsausschusses: Dr. K. Holey.

Der Leiter des Forschungsinstitutes: Dr. L. Erhard.