Heft 
1936: Drittes Heft
Entstehung
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Mitteilungen und Berichte.

und in der Beleuchtung unter den gleich gearteten Hauptstädten den besten Bang errungen hat, so verdankt dies Wien und seine Bevölkerung den Männern der tech­nischen Forschung und der technischen Praxis. Daher ist es für Wien immer eine Herzensfreude, wenn sich die Möglichkeit bietet, an der Ehrung eines der großen Männer des technischen Fortschritts, der technischen Wissenschaft, der technischen Schöpfungen und des praktischen Lebens teilzuhaben. Diese Freude ist um so größer, wenn es sich um einen dieser bedeutenden Männer handelt, der in Wien selbst geboren ist. So vereinigt sich hier die Dankbarkeit der Wiener Bevölkerung für alles das, was uns die großen Techniker gegeben haben mit der treuen Erinnerung an Auer von Welsbach und der Liebe zu diesem großen Sohn unserer Stadt.

In diesem Sinn übernehme ich namens der Stadt Wien das Denkmal in ihre Obhut.

Nachdem die Bundeshymne verklungen war, legten die Vertreter zahlreicher in- und ausländischer Hochschulen, Körperschaften und Vereine am Denkmal des großen Chemikers Kränze nieder. Die Inschriften der Kranzschleifen würdigten Auer von Welsbach als bahnbrechenden Forscher und Erfinder, als Entdecker neuer Elemente und Schöpfer neuer Lichtquellen, sowie als Begründer neuer Industrien und Gewerbe.

Buchbesprechung.

Lebenserinnerungen von I)r. teclm. h. c. und Dr. niont. h. c. Georg Günther. Wien, Selbstverlag des Verfassers, 1936. Erhältlich bei Gilhofer & Ranschburg, Wien.

Ich kann die Meinung des Autors dieses Buches nicht teilen, daß mensch­liche Schicksale wie das seine nicht viel Fesselndes und Interessantes für die Mitlebenden und die Nachwelt besitzen. Ein Buch, das den Entwicklungs­gang und das Schaffen einer so starken und für ihre Zeit bedeutsamen Indivi­dualität enthält, kann der Teilnahme weit über den Kreis der Familie und der Freunde hinaus gewiß sein. Bedenkt man, wie arm Österreich an Autobiographien der Wirtschaftsführer des Zeitalters Franz Josephs und der Nachkriegsära ist, dann ist insbesondere an der Dankesverpflichtung des Historikers nicht zu zweifeln. Diese Lebenserinnerungen sind der abgeklärte Rückblick eines Mannes, der ein arbeits- und erfolgreiches Dasein, ein Dasein von ungewöhnlicher Gestrafftheit und erstaunlichem persönlichen Aufstieg, aber auch von reichstem Wirken für die Allgemeinheit an seinem geistigen Auge vorüberziehen läßt. Schon im Stil prägt sich die kraftvolle Eigenpersönlichkeit aus. Diese stellt aber zugleich einen Typus dar, der in Österreich weit seltener anzutreffen ist als in der In­dustrie und Finanzwelt des deutschen Westens und dem man mit dem Abklingen einer großkapitalistischen Wirtschaftsepoche in Mitteleuropa nur noch vereinzelt in Zukunft begegnen dürfte. Vielleicht darf trotz aller Unterschiede an den Frei­herrn Karl Ferdinand von Stumm-Halberg erinnert werden, der einem guten Teil der BiSMARCKschen und der Ära Wilhelms II. eine bestimmte sozial- und wirtschaftspolitische Signatur gegeben und dem soeben F. Hellwig ein höchst aufschlußreiches Buch gewidmet hat. In Österreich wüßte ich Günthers Werk nur Rudolf Siegharts ,,Die letzten Jahrzehnte einer Großmacht unter einem bestimmten Gesichtswinkel zur Seite zu stellen.