A. Die geschichtlichen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens in Österreich.
Unter „Markscheidekunst“, auch „Schinkunst“ genannt, versteht man das gesamte bergmännische Yermessungswesen über und unter Tage einschließlich des „Rißzeichnens“, das ist der Anfertigung von Grubenkarten. Die Markscheidekunde ist demnach jener Teil der praktischen Geometrie, der den Zwecken des Bergbaus dient.
Die Kunstausdrücke der älteren bergmännischen Meßkunst etwa bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein sind, ausgenommen das Wort „Kompaß“, deutsch. Hieraus kann man schließen, daß mit Ausnahme der aus dem italienischen Kriegswesen 1 stammenden Kompaßmessung der Ursprung der bergmännischen Meßkunst deutsch war. In ihre erfolgreiche Entwicklung teilen sich gleichermaßen die österreichischen Alpenländer, der Harz und das Sächsische Erzgebirge.
Die ersten Anfänge des Markscheidewesens sind unbekannt. Das bergmännische Vermessungswesen hat sich vermutlich aus winzigen Ansätzen heraus, dem Bedürfnisse des Bergbaus entsprechend und zusammen mit ihm, in langsam steigendem Maß entwickelt. Die Uranfänge der Markscheidekunst reichen wohl, wie die des Bergbaus, tief ins Altertum zurück. Wir kennen zwar aus urgeschiclitlicher Zeit auf österreichischem Boden ausgedehnte und umfangreiche Bergbaue auf Kupfer, Salz und Feuerstein, doch ist für diese kein Nachweis einer markscheiderischen Tätigkeit zu erbringen, wenn wir nicht die bestimmt von den damaligen Bergleuten bereits ausgeführten Längenmessungen als eine solche ansehen wollen. 2 Daß der
1 F. M. Feldhaus, Die Technik der Antike und des Mittelalters. S. 364. Berlin 1931.
2 Bergmännische Längenmessungen sind bereits aus der jüngeren Steinzeit, 5000 bis 2700 v. Chr., aus Frankreich und Spanien bekannt. Es sind dies stollenähnliche Anlagen oder lange, söhlige Strecken neolithischer Katakomben, denen sich regelmäßig angeordnete Seitennischen anlegen. (H. QuirinG, Die Anfänge des Bergbaus in Deutschland und die Herkunft der „fränkischen Bergleute.“ Zeitschr. f. d. B. H. u. Salinenw. im preuß. Staate. S. B 226. Berlin 1928.) — Auch für den urgeschichtlichen Mitterberger Kupfererzbergbau, 1300 bis 1000 v. Chr., sind Längenmessungen auf Grund der von K. Zschocke und E. Preuschen rekonstruierten Abbaupläne anzunehmen. (K. Zsciiocke und E. Preuschen, Das urzeitliche Bergbaugebiet von Mühlbach-Bischofshofen. Materialien zur Urgeschichte Österreichs, 6. H. Wien 1932.) Auf der Kelchalpe bei Kitzbühel wurde ehemals ein hölzerner Meßstab aus der Zeit des urzeitlichen Kupfererzbergbaus gefunden. (E. Preuschen und R. Pittioni, Untersuchungen im Bergbaugebiete Kelchalpe bei Kitzbühel, Tirol. Mitteilungen der Prähistorischen Kommission der Akademie der Wissenschaften. III. Bd., Nr. 1 bis 3, S. 7. Wien 1937. — Der älteste bekannte zeichnerische Nachweis markscheiderischer Tätigkeit ist ein zu Turin auf bewahrter, aus der