Die geschichtlichen Grundlagen.
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verwaltet ein ständiges Amt. Er genießt im Rahmen seiner Dienstausübung öffentlichen Glauben. Die Festsetzung und Überwachung der Sicherheitspfeiler und der Wetterwege geben dem Markscheider in betriebstechnischer und bergpolizeilicher Hinsicht eine feste und einflußreiche Stellung, die ihn oft als Vertreter des Bergmeisters erscheinen läßt. In späteren Zeiten verlor sich auf dem Harz die beamtete öffentliche Stellung des Markscheiders wieder, er blieb zwar vereideter .Beamter des Regalherrn und sein Arbeitsgebiet bildeten nur betriebstechnische Messungen, von urkundlichen Messungen blieb er ausgeschaltet (Bergordnung für Wildemann und Zellerfeld, 1550). 1
Doch nicht nur aus dem Harz, sondern auch aus Tirol ist uns der Name „Fronbote“ aus dem Schwazer Bergbuch für 1490 überliefert. 2 Wesentlich älter und häufiger als dieser für den Markscheider seltene Name ist bei uns jedoch die Bezeichnung „Sch in er“, welche als die allgemeine Bezeichnung für den Markscheider in den österreichischen Alpenländern gelten kann. Sie läßt sich im Gebrauch bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. 3 Die älteste bekannte Erwähnung des dazugehörigen Tätigkeitswortes „schinen“ = „markscheiden“ findet sich in Johann Georg Loris Sammlung des baierischen Bergrechts, unter Bemerkungen Halleinischer Bergrechts-Gebräuche und stammt aus dem Jahre 1418. Die betreffende Stelle lautet: 4
21rtno Domini MCCCCXVHI:
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Das Wort Schiner hat mit „Schiene“ selbstverständlich nichts zu tun, sondern hängt mit „Schinzeug“, dem alten Markscheidergerät, und dem dazugehörigen Tätigkeitswort „schinen, verschinen, abschinen“ zusammen. Die Redensarten Min und Schin tun, mit Min und Schin handeln, Schin und Min geben, bedeuten vielmehr, durch markscheiderische Vermessung die Grenze feststellen. Beide Worte, Min und Schin, gehören der älteren deutschen Rechtssprache an. Min bedeutet hierbei gütliche Benehmung, Vergleich; Schin dagegen ist die rechtliche Entscheidung des mit der Gruben Vermessung betrauten Beamten, also desjenigen, der mit dem „Schinzeug“ umzugehen verstand. 5
1 W. Neiim, Markscheidewesen auf dem Harz, 1. c., S. 36.
2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 3. Der „Fröhner“ ist jedoch etwas anderes.
3 St. Worms, Schwazer Bergbau im fünfzehnten Jahrhundert. S. 39. Wien 1904.
4 J. G. Lori, Sammlung des baierischen Bergrechtes. S. 43. München 1764. —
E. Treptow, Tiroler Markscheider, 1. c., S. B 499. 1933.
5 Nach H. Veith, Bergwörterbuch. S. 415. Breslau 1870/71, und eigenen Studien des Verfassers.