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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
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Die geistigen Grundlagen.

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Dagegen waren die rechnerischen Fähigkeiten der Be­

völkerung noch ganz gering. Philipp Melanchton beklagte sich über die dürftigen Auswirkungen des mathematischen Schulunterrichtes. 1

Die Ausbildung im Rechnen lag in der Hand der Rechenmeister, von denen uns noch Adam Riese, Rechenmeister in St. Annaberg im Sächsischen Erzgebirge, geläufig ist. Adam Riese, dessen Rechenbücher aus den Jahren 1544 und 1550 noch heute bekannt sind, war übrigens nicht ohne Beziehungen zum Bergbau, er war lange Jahre hindurch Berggegenschreiber Buchhalter und Prokurist würden wir heute sagen bei den dortigen Silbergruben. 2 Zwei Professoren für Mathematik der Universität Wittenberg sind übrigens mit der Entwicklung des Markscheide­wesens in enger Verbindung. Es sind dies der Astronom Erasmus Reinhold und der Mathematiker Rhaeticus. Reinhold begann das erste Lehrbuch der Mark­scheidekunde zu schreiben, das aber erst sein Sohn Erasmus Reinhold der Jüngere beendete und im Jahre 1574 unter dem TitelVom Markscheiden, kurtzer und gründlicher Unterricht in Erfurt veröffentlichte. 3 Das Lebenswerk des Rhaeticus ist das 1596 veröffentlichteOpus palatinum, jenes Tafelwerk der natürlichen Zahlen der trigonometrischen Funktionen, das in Form der JoRDANschen Neu­bearbeitung noch heute auf jeder Markscheiderei zu finden ist. In Leipzig lebte um die Mitte des 16. Jahrhunderts J. J. Hommel (Humelius), der Erfinder des ebenfalls noch heute unentbehrlichen Transversalmaßstabes. 4 Eine ständige Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und praktischer Markscheidekunde für diese Zeit ist allgemein anzunehmen und wurde für das Sächsische Erzgebirge und den Harz von W. Nehm nachgewiesen. 5

Um das Jahr 1600 hatten sich die mathematischen und astronomischen Wissen­schaften stark und erfolgreich mit vermessungstechnischen Fragen beschäftigt und die Markscheider der damaligen Zeit hatten es zweifellos verstanden, diese wissen­schaftlichen Fortschritte auch ihrem Fachgebiet dienstbar zu machen.

Dieser gesunde Zustand einer gleichsinnigen Zusammenarbeit kam aber in der Folgezeit ins Wanken, als die Fortschritte der Wissenschaft in einem so un­erhörten Zeitmaß vor sich gingen, daß die praktische Anwendung nicht folgen konnte. Kepler erfand 1611 das astronomische Fernrohr und der Holländer Huyghens gab ihm um 1655 eine so vollendete Form, daß sie richtunggebend für die nächsten 300 Jahre blieb. Als hemmenden Umstand sehen wir aber, daß

1 W. Neiim, ebenda, S. 38.

2 L. Darmstaedter, Adam Riese, der Meister der Zahlen. Forschungen und Fortschritte. 1. Jg., H. 3/4, S. 25, Berlin 1925.

3 W. Nehm, Markscheidewesen auf dem Harz, 1. c., S. 38.

4 F. Schmidt, Geschichte der geodätischen Instrumente und Verfahren im Alter­tum und Mittelalter. Veröffentl. d. Pfalz. Ges. z. Förderung d. Wissensch. Bd. XXIV, S. 279, Neustadt a. d. Haardt 1935, führt an, daß bereits im 14. Jahrhundert von Levi ben Gerson an einem Jakobsstab eine Transversalteilung zum ersten Male angewendet wurde. Auch Purbach und Regiomontanus sollen davon Gebrauch gemacht haben und Johann Hommel (1518 bis 1562) nur durch eine besondere Ausführung des Ver­fahrens bekannt geworden sein.

5 W. Nehm, ebenda, S. 39.