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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
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Die geistigen Grundlagen.

diese Fernrohre sich in ihrer praktischen Anwendung nur auf die feststehenden Instrumente der Sternwarten beschränkten und daß ein mit einem Fernrohr ver­sehenes bewegliches Feldinstrument noch etwa 200 Jahre auf sich warten ließ. Nunez erfand 1542 eine Vorrichtung, die eine genauere Ablesung an Teilungen ermöglichte; dieser Vorläufer des Nonius wurde 1631 durch Vernier (Werner) verbessert und so durch ihn der eigentliche Nonius erfunden. 1646 erfand der Engländer Gascoigne das Fadenkreuz, 14 Jahre später, 1660, der Franzose The- venot die Libelle. Im Jahre 1666 erfand Picard und Auzut das Mikrometer, ein Jahr später ist von Picard die erste Anwendung des Fernrohres für Meßzwecke überliefert. Descartes hob 1637 mit seiner analytischen Geometrie die alte, jahr­hundertelang alleinherrschende euklidische Geometrie aus dem Sattel und setzte an Stelle der Konstruktion die Zahlenrechnung, ein Vorteil, der sich auch vermes­sungstechnisch und markscheiderisch auswirken mußte bei gleichzeitiger Ver­feinerung der Instrumente. Neper (Napier) und Briggs hatten 1614 und 1618 die Logarithmen erfunden. Leibniz und Newton fanden 1665 und 1684 unab­hängig voneinander die Differential- und Integralrechnung und damit dön Schlüssel zu zahlreichen, bisher unlösbaren mathematischen und mechanischen Aufgaben. Es blieb aber erst unserer Zeit Vorbehalten, die praktische Anwendung auf breitester Grundlage durchzusetzen. Von Leibniz wissen wir auch, daß er 1712 in brief lichem Gedankenaustausch mit dem Oberharzer Markscheider Ripking über die kreisrunde Auftragung von Logarithmen stand und offenbar den heutigen Rechenschieber behandelte. 1 Ob ihnen jedoch der bereits 60 Jahre früher erfolgte Vorschlag des Engländers Wingate für den Bau eines linearen Rechenschiebers bekannt war, läßt sich nicht sagen.

Wir sehen somit, daß im 17. und 18. Jahrhundert die Wissenschaft durch eine Hochflut neuer Gedanken aufgewühlt wurde, welchem Zustand lange keine ruhigere Weiterentwicklung folgte. Man darf es daher dem Markscheider jener Zeit nicht verdenken, daß er sich die Fülle der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht dienstbar machen konnte, zumal da der Bergbau selbst noch technisch in den An­fängen steckte und seine Aufgaben rein praktisch auf faßte.

Trotzdem werden wir im folgenden Hauptabschnitt, denInstrumentellen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens, sehen, wie gerade in Deutschösterreich sich die Verbesserung und Vervollkommnung einzelner mark­scheiderischen Instrumentengruppen entwickelt hat, worauf wir Ostmärker stolz sein können, weil nur auf dieser Grundlage die Weiterentwicklung des gesamt­deutschen Markscheidewesens der letzten 80 Jahre erfolgen konnte.

1 W. Nehm, Die Oberharzer Markscheider um das Jahr 1700 und ihre Stellung im Betrieb. Sonderabdr. ausReden und Ansprachen bei akademischen Feiern im Jahre 1935. S. 13. Clausthal-Zellerfeld 1935.

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