C. Die instrumenteilen Grundlagen der Entwicklung des Markscheidewesens in Österreich.
Die instrumenteile Entwicklung des Markscheidewesens ist zu unterteilen in eine Entwicklung der Längenmessung und in eine solche der Winkel- oder Richtungsmessung. Zunächst soll das Messen von Längen besprochen werden.
1. Längenmessung.
In der Geschichte der Längenmessung steht die Frage nach den Maßen und Maßsystemen im Vordergrund, Art, Beschaffenheit und Anwendung der Meßgeräte treten dagegen zurück. Sie sind für die ältere Zeit sehr einfach und doch war schon das Bestreben von jeher vorhanden, die Genauigkeit des Messens immer mehr zu steigern. Die älteste Form der Längenmessung war die mittels der Glieder des menschlichen Körpers, wie Schritt und Fuß, Elle, Hand. Die Römer hatten Fuß-Maßstäbe und verwendeten für größere Längenmessungen Meßstangen und Meß seile. 1 Auch kannten sie bereits zusammenklappbare Maßstäbe. Breitet ein ausgewachsener Mann beide Arme aus, so bildete die äußerste Länge zwischen den Spitzen der Mittelfinger eine neue Längeneinheit, die Klafter oder das Lachter genannt. Diese Bezeichnung tritt bereits im mittelalterigen deutschen Bergbau auf, z. B. im Schemnitzer Bergrecht vom Jahre 1244. „Eine Brustbreite und zwei Armlängen“ sagt Agricola 1556 für die Länge des Lachters. Die Klafter oder das Lachter, oder im Österreichischen ein weiteres Maß, das „Bergstabl“ genannt, sind im Bergwesen Jahrhunderte hindurch in Gebrauch gewesen. Sie waren die übliche Maßeinheit im österreichischen und deutschen Bergbau, jedoch von Ort zu Ort oder von Bergrevier zu Bergrevier in ihrer Länge verschieden. Ja, ich spreche sogar die begründete Vermutung aus, daß sich jeder Markscheider oder jede Markscheidergeneration ihr eigenes Längenmaß, ihr eigenes Lachter oder Bergstabl, selbst wählte, um ihre „Markscheidekunst“ möglichst lange geheimhalten zu können.
So verhielten sich die Lachter von Joachimsthal, Eisleben, Clausthal und Freiberg zueinander wie 98,6 : 101,4: 97 : 100 und die Tiroler Bergklafter war eine ganze Spanne kürzer als das sächsische Lachter. 2 Eine vergleichende Zusammenstellung für 22 verschiedene Lachtermaße ist uns aus dem Jahre 1796 er-
1 F. Schmidt, Geschichte der geodätischen Instrumente und Verfahren im Altertum und Mittelalter, 1. c., S. 159.
2 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 20, nach J. v. Sperges, S. 115.
Geschichte der Technik, 7. Heft.
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