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Die instmmentellen Grundlagen.
halten. 1 Es muß demnach damals bereits der Bedarf für die Umrechnung und den Vergleich der in den einzelnen Bergrevieren und Gruben gebräuchlichen Längenmaße aufgetreten sein. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts waren in Tirol noch eine Reihe von besonderen Längenmaßen üblich, die J. v. Sperges 2 für das Jahr 1530 erwähnt und die im Schwazer Bergbuch 1556 genau beschrieben werden. 3 Es sind dies die Maße Gmind und Däumel. Ein Gmind war eine Faust mit über sich gestrecktem Daumen, und vier Gmind gaben eine Elle. Ein Däumel war die Länge des Unterarmes bei ausgestreckter Hand. Das „Schwazer Bergbuch“ erläutert die beiden Tiroler bergmännischen Längenmaße wie folgt:
(5mirtb ift alfo: menu öu in ber einen Ijanö bie oier Ringer ganj sufannnen« 3 tefyeft, als wollteft eine 5auft machen, bann fefce bie 13anb auf ben fleinften 3 uge» tanen 5inger unb ftrecfe ben Daumen gerabe über fid} in bie Iföfye; bas nennt man bei beut Berg ein (ßminb, unb ift in ber länge etwas weniger als ein Diertel einer IDienerifd^en Elle. 4
Däumel: Sefte beinen 21rm auf ben Ellenbogen gerabe über fidj, bas fyeifft man ein Däumel, unb ift etwas weniger als eine fyalbe IDienerifdie Elle.
Weiters gab es in Schwaz um das Jahr 1550 außer der Bergklafter, die „zwei Wienerische Ellen und sechs Zwerchfinger lang“ war, noch den Stab und das alte Längenmaß für Gruben Lehen. Der Tiroler „Stab“ oder „Bergstab“, darnach man das Maß am Berge gab und nahm, war eine wienerische Elle und drei Zwerchfinger lang, demnach ergaben zwei Tiroler Stabl eine Klafter (1,8965 m). Ein Lehen maß sieben Bergklafter, wie es bereits für das 13. Jahrhundert für Oberungarn bezeugt ist. Im Salzkammergut herrschte vom 16. Jahrhundert ab wieder eine eigene Längenmaßeinheit. Es waren dies das „Hallstatterische“ und das „Ausseeische Bergstabl“. Das Ausseer Salzbergmaß war 1,194 m ■ lang. Bild 7 stellt ein solches Kammergut-Bergstabl dar, das in der Sammlung der Leobener Montanistischen Hochschule auf bewahrt ist 5 und etwa aus der Zeit um 1750 stammt.
Es ist ein aus Holz in quadratischem, sich leicht verjüngendem Querschnitt geformter Stab, der an der einen Seite einen achteckigen Messingknopf, an der. anderen eine Messinghülse mit Eisenspitze trägt. Das dickere Ende des Stabes trägt die Kleinteilung und weist eine Spanne lang achteckigen Querschnitt auf. Auf dem Bergstabl sind vier verschiedene Maßeinheiten angebracht, deren Namen sowie Unterteilungen in schön verzierten, schwarz gravierten Elfenbeinplättchen ins Holz eingelegt sind. Außer dem „Ausseer Salzberg Maß“, das in acht Achtelteile unterteilt ist, enthält der Bergstab noch eine Einteilung in „Tyroler Schuh“, „Wiener Schuh“ und „Schemnitzer Schuh“. Diese „Schuh“ sind in ganze und halbe Schuh geteilt und deren Vielfache bis drei Schuhe angeschrieben. Ein Wiener
1 K. W. Böbert, Der geschwind und richtig rechnende Markscheider oder Tafeln für den Markscheider usw. Leipzig und Quedlinburg 1796.
2 J. v. Sperges, Bergwerksgeschichte Tirols, S. 115, Wien 1765.
3 E. Treptow, Die Tiroler Schiner, 1. c., S. B 502.
4 Diese = 0,7776 m.
5 Lehrkanzel für Markscheidekunde. Inv.-Nr. VC 4.