Längenmessung.
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Schuh mißt am Maßstabe 0,3165 m, ein Tiroler Schuh 0,3315 m und ein Schemnitzer Schuh 0,3352 m. Jeder Schuh wurde in sechs Sechstel unterteilt, auch das Achtel des Ausseer Bergstabls, wie aus dem am achteckigen, mit Blumen aus Bein verzierten, stärkeren Ende des Maßstabes ersichtlich ist. Der Stab stellt eine typische Salzkammergut-Arbeit aus der Mitte des 18. Jahrhunderts dar, bei welcher der sie verfertigende Bergmann, Markscheider oder Instrumentenmacher bestrebt war, sein Arbeitsgerät durch einfache, aber schöne künstlerische Ausschmückung aus der Nüchternheit des täglichen Gebrauchsgegenstandes herauszuheben und dadurch sich selbst an ihm zu erfreuen.
Vor den hölzernen Maßstäben, die auch, wie G. Agricola einen abbildet, 1 in drei Teile zerlegbar sein konnten, und auch gleichzeitig mit ihnen wurden im mittelalterigen deutschen und österreichischen Bergbau vor allem Schnüre als
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Bild 7. Salzkammergut-Bergstabl, um 1750.
(Ansicht aller vier Seiten mit der Einteilung in Wiener, Tiroler und Schemnitzer Schuh sowie Ausseer Salzberg-Maß; 4,6fache Verkleinerung.)
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Längenmeßwerkzeuge verwendet. Bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts waren Hanf schnüre zur markscheiderischen Längenmessung üblich — die alten Ägypter hatten bereits Meßstricke in Verwendung, 2 — doch beobachtete Agricola die Längung derselben und empfahl statt ihrer Lindenbastschnüre. Agricola gibt weiters bereits an, Hanf schnüre in der Grube zu spannen und an ihnen entlang mit eingeteilter Lindenbastschnur zu messen. 1574 empfiehlt E. Reinhold Schnüre von Bast, Draht oder Haaren. 2 ,,Das aUerungetr>i|fefte", sagt er, ,,finb bie fyänffenen Sdptür." Nikolaus Voigtel klagt 1686 über die Längung der Lindenbastschnüre in nassen Gruben und empfiehlt gezwirnte, in Öl gesottene Schnüre. Er führt in seiner ,,Geometria subterranea“ 3 als zu einer Vermessung notwendig eine gezwirnte Schnur von 100 Lachtern Länge und eine bastene von sechs Lachtern an, weiters einen Maßstab von einem halben Lachter Länge, der geteilt sein soll.
In späterer Zeit wurden die in Öl gesottenen Zwirnschnüre mit Wachs gewichst und waren um 1750 im Sächsischen Erzgebirge üblich, daneben aber
1 G. Agricola, S. 107. Neuausgabe 1928.
2 P. Wilski, Marksclieidekunde I., S. 21.
3 N. Voigtel, Geometria Subterranea oder Markscheide-Kunst. S. 21. Eisleben 1686.
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