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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instrumenteilen Grundlagen.

auch noch die Bastschnüre. Für die gleiche Zeit sind bereits auch Messingketten als Längenmeßgeräte für Sachsen bezeugt. 1 Über die Arten der in den öster­reichischen Bergbauen verwendeten Schnüre sind uns keine näheren Nachrichten überkommen, es liegt aber die Vermutung nahe, daß die Entwicklung nicht un­ähnlich war jener soeben für Deutschland beschriebenen. Die Leobener Sammlung des Markscheideinstituts 2 besitzt mehrere solcher Meßketten, weiters zwei Stück sechs Klafter lange Ketten. Auch im Eisenerzer Museum ist eine. Meßkette vorhanden. Alle erwähnten Ketten stammen etwa aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Von 1798 wissen wir durch den Klagenfurter Professor und Markscheider Paris v. Giuliani, daß man damals im österreichischen Bergbau keine Schnüre mehr zum Längenmessen verwendete, sondern mit hölzernen Klaftermaß- stäben entlang kurz gespannter Verziehschnüre maß. Für Oberungarn ist durch N. v. Hanstadt die Messung mit zwei Klafterstäben längs gespannter Schnur belegt, ohne die Kette zu erwähnen. Die gleiche Messungsart ist uns auch für Pribram durch J. Beer überliefert, welcher aber auch das Messen mit Lachter­ketten längs ausgespannter Schnur erwähnt. 1 J. Weisbach führt dann 1859 zwei Meßlatten von zwei bis drei Lachtern Länge, zwei Lachterstäbe und einen drei­teiligen Gliedermaßstab von einem Viertel Lachter Länge ein, den erLachter­schmiege nennt. 3

Nach 1870 wurde in den österreichischen und deutschen Bergbauen die Meß­kette vom Stahlmeßband verdrängt, um die Jahrhundertwende herum verschwand die Meßkette aus der Hand des Markscheiders und das Stahlband diente ein Vierteljahrhundert lang allein der genauen Längenmessung, bis es vor einigen Jahren durch die neuzeitigen Doppelbildtachymeter für Obertagsmessungen entbehrlich geworden war. Für untertägige Längenmessungen jedoch sind auch heute noch das Stahlmeßband und ein Meßlattenpaar als alleinige Längenmeßgeräte in Gebrauch.

2. Winkelmessung.

Schnurdreiecke.

Ist das genaue Messen von Längen und Winkeln durch den Markscheider an sich eine gleichwertige Tätigkeit, so nimmt doch in der instrumentellen Entwick­lung des Markscheidewesens die Winkelmessung einen wesentlich breiteren Raum ein, als die Messung von Längen. Denn in der Längenmessung blieben Maßstab, Kette und Schnur durch Jahrhunderte hindurch die gleichen Behelfe, ja, man scheute sich zum Teil im mittelalterigen Bergbau Winkel zu messen, zum Teil konnte man es nicht. Man maß lieber die Längen von Schnüren, die in Dreieckform ge­spannt waren, und erhielt auf diese Weise auf Grund der Ähnlichkeit von Drei­ecken mit gleichen Winkeln auf einfache Weise die gesuchten Längen von Stollen oder Strecken oder Teufen von Schächten. Wir können annehmen, daß diese Messung mittels der Ähnlichkeit von Schnurdreiecken im deutschen und

1 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 21.

2 Inv.-Nr. 16a, b, c.

3 P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 22.