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Die instrumenteilen Grundlagen.
haben. Nach W. Nehm 1 wäre die Heimat der Wachsscheiben im Harz zu suchen, von wo aus sie vielleicht ihren Weg erst nach Sachsen nahmen. Die älteste erhaltene Wachsscheibe stammt aus dem Harz und trägt, wie erwähnt, die Jahreszahl 1541. Zur Zeit Agricolas, also Mitte des 16. Jahrhunderts, waren die Wachsscheiben im Sächsischen Erzgebirge weit verbreitet. Zu gleicher Zeit und auch später sind sie neben den Kompassen mit Teilung und dem Schinzeug, jedoch auch in den österreichischen Alpen in Verwendung gestanden, wie aus dem Bild Wachsscheibe mit Wasserbussole im Schwazer Bergbuch (1556), eines Scheiblingkompasses auf einer Salzkammergut-Grubenkarte aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und der Darstellung eines „Alpenkompasses mit Wachsringen“ auf G. M. Vischers Landkarte von Oberösterreich (1669) hervorgeht. Es ergibt sich sonach für die Wachs scheiben ein gesichertes Auftreten für die Zeit von etwa 1500 bis 1670.
Es ist selbstverständlich, daß „Kompaß mit Teilung“ und „Wachsscheibe“ lange nebeneinander in Gebrauch waren und daß alte Leute sich nicht von der alten Form und Meßart trennen mochten, zudem die Abgeschiedenheit mancher Bergbaue oder Bergreviere noch hinzukam, so daß die großen Zeitunterschiede zwischen den Nachweisen von Bergkompassen mit Teilung und Wachsscheiben, sowie die Gleichzeitigkeit des Gebrauches beider hierdurch leicht ihre Erklärung finden.
Handkompaß, Setzkompaß und Schinzeug.
Kompasse.
Die Messung mittels Setzkompaß und Schinzeug stellt eine Weiterentwicklung der im vorhergehenden Abschnitt besprochenen „Wachsscheiben- methode“ dar. Für die Messung von Lagewinkeln allein wurden Handkompasse oder Setzkompasse verschiedener Form, für die gleichzeitige Messung von Lage- und Höhen winkeln wurden dagegen Setzkompasse und Schinzeuge verwendet. Von wem das erste Schinzeug herrührt, läßt sich nicht sagen; daß es aber von einem österreichischen Markscheider erfunden wurde, geht aus dem Namen hervor, da „Schin“ für Vermessung und „Schiner“ für Markscheider nur in den österreichischen Bergbauen gebräuchliche Ausdrücke waren, wie später noch darzulegen sein wird. Das Wort „schinen“ ist erstmalig 1418 nachzu weisen.
Der Kompaß hat viele Jahrhunderte hindurch im Markscheidewesen eine geradezu führende Rolle gespielt. Bevor aber auf die verschiedenen Arten der bergmännischen Kompasse näher eingegangen wird, soll entsprechend der Wichtigkeit und Bedeutung, die dem angewandten Magnetismus im Bergbau während des letzten halben Jahrtausends zukam, ein kurzer Abriß über den gegenwärtigen Stand der Kompaßforschung vorangestellt werden.
Die Bemühungen um das Wann und Wo der ersten Erkenntnis der magnetischen Nordweisung in Europa haben nie geruht, sind aber lange Zeit hindurch
1 W. Nehm, Markscheidewesen auf dem Harz. S. 40. Clausthal-Zellerfeld 1934.