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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Winkelmessung.

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Wort Kompaß stammt aus Italien. Die älteste nachweisbare Bedeutung des italieni­schen Wortescompass ist Zirkel. 1 In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bedeutete compasso = Seekarte, 2 im 15. und auch noch im 16. Jahrhundert soviel wie Sonnenuhr. 3 In der heutigen Bedeutung tritt uns das Wort Kompaß zum ersten­mal 1460 entgegen. 2 Aus dem Jahre 1465 stammt die älteste bekannte Abbildung 3 eines Kompasses in runder Büchse, den Francesco di Giorgio Martini, ein be­rühmter italienischer Befestigungstechniker, im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts beim Bau unterirdischer Minen verwendete (Bild 17). 4 Im Jahre 1490 wird der Kom­paß zum erstenmal in der Hand des Markscheiders erwähnt. 1 Es ist dies eine Stelle in einer Tiroler Bergordnung, der Schwätzer Erfindung, VII, 3, die da lautet:

Der Seltner fol aucfy bte Catleifen ober fteenbe 2Hard]fd}atb alles nacfy beut £ant=Paff fd]lagen unb Ktcfyten. Wie schwer aussprechlich durch viele Jahrzehnte hindurch das WortKompaß für den damaligen österreichischen Bergmann und Markscheider gewesen sein muß, erhellt daraus, daß fast 100 Jahre später, auf der ältesten, aus dem alpenländischen Erzbergwesen stammenden Grubenkarte aus dem Jahre 1577 das Wort Compast steht: (Klba fol am Com paft <£ingefet 3 t merbert unb (ol bte Kariert barttad} Hetbert bis ber mangel [IHagnet] Cinfcfylegt fo ligt bte Karten recfj gegen ben Pürg.) 5

Wir kommen nun zur Besprechung der magnetischen Mißweisung. Ursprünglich hat man Columbus die Entdeckung der magnetischen Mißweisung zugeschrieben. Vor drei Jahrzehnten wurde aber dann das Jahr 1451 dafür nachgewiesen 6 und erst ganz kürzlich das Jahr 1380 bei dem englischen Dichter

Bild 17. Erste bekannte Abbil­dung eines Stollenvortriebes (An­legen einer Mine) mit dem Kom­paß, nach Franzesco di Giorgio Martini, um 1465.

(Nach F. M. Feldhaus , Gesch. d. Tech­nik d. Antike u. d. Mittelalters, S. 365 bzw. Lichtbildsammlung Kirnbauer.)

1 P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 106.

2 P. Wilski, Markscheidekunde II., S. 106. Die Meinung P. Wilskis, daß das im mittelalterigen deutschen Bergbau übliche WortWaage den Kompaß (die auf einer Spitze schwebende Magnetnadel) bedeute, ist keineswegs stichhaltig. Oft heißt es in Urkunden dieser Zeit: Schin, wag und maß. Hierbei bedeutenschin die mit dem Kompaß angegebene Richtung oder den Kompaßzug,wag das mittels Grad­bogens, Schrot- oder Bergwaage ausgeführte Einwägen undmaß die mit Maßstab oder Schnur durchgeführte Längenmessung.

3 K. Lüdemann, Ulrich Rülein von Kalbe. Mitt. d. Freiberger Altertumsvereines. 64. II., S. 72. Freiberg 1934. Hauptorte derKoinpastmacherei waren damals Augsburg und Nürnberg.

4 F. M. Feldhaus, Technik der Antike und des Mittelalters. S. 365, Abb. Nr. 387. Lichtbild-Sammlung Kirnbauer.

5 F. Kirnbauer, Älteste Dokumente. Mont. Rundschau, 1. c S. 2.

6 C. Krause, Geschichte, 1. c S. 37, erwähnt einen im Museum zu Innsbruck befindlichen Sonnenkompaß aus dem Jahre 1451, auf dem eine Berücksichtigung der Deklination deutlich zu erkennen ist.