Winkelmessung.
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dem Jahre 1681 einen Kompaß des englischen Schrifttums, wogegen ich die ersten Bilder auf österreichischen Grubenkarten aus dem Jahre 1577, 1 1611 und 1616 nach weisen kann.
Im folgenden möge nun die Entwicklung der bergmännischen Kompasse an Hand der in österreichischen Sammlungen befindlichen Stücke näher beschrieben werden:
Die Leobener Hochschulsammlung der Lehrkanzel für Markscheidekunde enthält zwei Handkompasse, die ob ihres hohen Alters beachtlich sind. Einer
der ältesten in Österreich erhalten gebliebenen bergmännischen Kompasse ist ein aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammender Handkonipaß 2 (Bild 18). In einem quadratischen Birn- holzgehäuse von 68 mm Seitenlänge und 11 mm Höhe ist eine Bussole untergebracht, auf deren Grunde sich ein kreis-
Bild 18. Kompaß aus der zweifen Hälfte des 16. Jahrhunderts (ähnlich Kompassen des Schwazer Bergbuchs, 1556).
( e l 7 der nat. Größe.)
Bild 19. Schiner mit Setzkompaß aus dem Schwazer Bergbuch, Prachtausgabe 1556.
(Innsbrucker Codex 4312.)
rundes Messingplättchen mit eingeritzter Nordrichtung sowie der Gravierung ,,M. A.“, offensichtlich den Anfangsbuchstaben des Verfertigers, befindet. Die Teilung des Kompasses ist in das Holz des Gehäuses gerissen; sie ist rechtsinnisch und in 2x 12 Stunden geteilt, jede Stunde in acht Achtel unterteilt. Der zierliche, ehrw ürdige Kompaß ist in einem dazugehörigen, zeitgenössischen Weichholzfutteral mit der späteren handschriftlichen Anmerkung „Brenngraben“ untergebracht. Die Datierung dieses Handkompasses für die Zeit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts konnte deswegen so genau und einwandfrei erfolgen, da in der Prachtausgabe des aus dem Jahre 1556 stammenden „Schwazer Bergbuches“ ein ganz ähnlicher Kompaß abgebildet ist 3 (Bild 19).
1 Abgebildet in: F. Kirnbauer, Die ältesten Dokumente deutschen Markscheidewesens. Mont. Rundschau Wien, 27. Jg., 16. Oktober 1935.
2 Inv.-Nr. VC 49.
3 E. Treptow, Tiroler Markscheider, 1. c., 8. B 502. — Zu bemerken ist, daß die Kompaßabbildung im Schwazer Bergbucli des Innsbrucker Codicis 856, offenbar infolge eines Fehlers des Zeichners, die 12—12-Stundenlinie nicht parallel einer Gehäuseseite, sondern diagonal gezeichnet aufweist.
Geschichte der Technik, 7. Heft.
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