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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instrumenteilen Grundlagen.

zu verstehen, das aus einem um eine lotrechte Achse drehbaren Höhenkreis besteht, einem Setzkompaß mittig aufgesteckt wurde und die Befestigung einer Verzieh­schnur an einer beweglichen Höhenkreisalhidade gestattete. Es war somit eine unmittelbare Ablesung des Höhenwinkels am Höhenkreis des Schinzeugs sowie mittels eines Zeigers eine Ablesung des Lagewinkels am Stundenring des Kompasses möglich. Ein Senkel am Schinzeug diente zu seiner Lotrechtstellung.

In späterer Zeit wurden die Schinzeuge nicht mehr Setzkompassen mittig aufge­steckt, sondern ein Kompaß in einen am Schinzeug seitlich befestigten Ring ein­gesetzt. Das Nebengerät des Schinzeugs besteht aus einem mit einem Häkchen zur Schnurbefestigung versehenen kleinen Senkel mit Griff. Mit dem Hauptgerät stellte sich der Schiner im Scheitel des zu messenden Winkels seines Zuges auf, mit dem Nebengerät in der Hand wanderte sein Gehilfe an den Vorwärtspunkt, wobei die gespannte Schnur und die Kompaß­nadel die Richtung der beiden Winkel­schenkel verkörperten und der Neigungs­winkel der Schnur am Schinzeug, das Streichen der Schnur am Kompaß abge­lesen und auf geschrieben werden konnten.

Mit Hilfe dieser Schinzeuge wurden von den alten Markscheidern der alpen- ländischen Erz- und Salzbergbaue durch mehr als zwei Jahrhunderte hindurch bemerkenswert gute Messungen ausgeführt, wovon die Blüte des damaligen öster­reichischen Bergbaus und zahlreiche Grubenkarten des 16. bis 18. Jahrhunderts ein sichtbares Zeugnis ablegen.

Tief erstehend folgt nun eine Beschreibung der wichtigsten mir bekannten Schinzeuge:

Das älteste Schinzeug der Leobener Sammlung 1 stammt aus der ersten Hälfte des 16. J ahrhunderts (Bild 28). Es ist aus Messing verfertigt, hat 146 mm Gesamthöhe und besteht aus einer einen Senkelkäfig tragenden, 100 mm hohen Rundsäule, an der seitlich eine gleich hohe, etwas stärkere quadratische Säule befestigt ist. Diese endigt oben in einen Rundbogen, der an seinem Ende als Senkel­träger einen prächtig gearbeiteten Eabeltierkopf besitzt. An der Quadratsäule ist seitlich ein Höhenkreis von 90 mm Durchmesser angebracht mit einem dazu­gehörigen Höhenkreisarm mit Alhidade. Diese ist herzförmig ausgebildet, besitzt eine Ablesespitze und endigt in einen für Schnuranhängung bestimmten Haken. Die Quadratsäule weist verschiedentliche Abschrägungen an ihren Seitenkanten auf, die mit wunderschönem kunsthandwerklichem Formempfinden ausgeführt sind,

Bild 28. Schinzeug aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

(2 1 IJache Verkleinerung.)

1 Inv.-Nr. VC 48.