Winkelmessung.
43
und besitzt an ihrem unteren Ende, in der Richtung des Höhenkreises, einen als Ablesemarke am Kompaß dienenden, fest angebrachten, kurzen Zeiger. Der Höhenkreis des Schinzeugs ist sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite in 2x12 Halbstunden geteilt, beginnend mit der Bezifferung in der Waagrechten, doch trägt die Nullinie eigenartigerweise nicht die Bezeichnung „Null“, sondern ,,12“. Jede Halbstunde ist in vier Teile unterteilt, so daß die unmittelbare Ablesung ein Viertel einer Halbstunde beträgt, doch konnte ein Achtel einer Halbstunde noch geschätzt werden. Die Ablesung am Höhenkreis ergab unmittelbar Höhen- und Tiefenwinkel, diejenige vermittels des Zeigers am Kompaß magnetisches Streichen.
Zur Zeitbestimmung des Schinzeugs, das ein Schin- zeug-Hauptgerät darstellt, kann gesagt werden:
Der an gotische Wasserspeier erinnernde Fabeltierkopf des Senkelträgers, weiter der herzförmige Alhidaden- zeiger sowie der aus fünf gewundenen Säulchen bestehende Senkelkäfig weisen beachtenswerte, typisch spätgotische Formen auf, so daß auf Grund dieser, sowie des Vergleiches mit anderen kunsthandwerklichen Erzeugnissen des beginnenden 16. Jahrhunderts die Datierung des Schinzeugs vorgenommen werden konnte. 1
Als etwa gleichalterig ist ein ebenfalls aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes Schinzeug, das sich in Privatbesitz befindet, zu erwähnen 2 (Bild 29).
1 A. Repsold, Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge, Leipzig 1908, bildet in Bd. 1, Fig. 14 einen Quadranten des Landgrafen Wilhelm von Hessen aus etwas späterer Zeit, aus der Zeit um 1560, ab, der ebenfalls noch ähnliche spätgotische gewundene Säulchen besitzt.
2 Für die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Bildes ist Herrn Generaldirektor Wisselmann, Berlin, zu danken.
Bild 29. Schinzeug aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
ÖS’