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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instrumenteilen Grundlagen.

Es ist ein in handwerklich etwas ungefügiger Form gehaltenes, spätgotische Einflüsse zeigendes Hauptgerät mit Höhenkreis und Senkelkäfig, sonst dem vorher be­schriebenen Schinzeug jedoch ziemlich ähnlich. Der Höhenkreis ist in 2x12 Halb­stunden geteilt, die Gesamthöhe des Schinzeugs beträgt 185 mm. Ein drittes Schinzeug, jedoch datiert und mit der Jahreszahl 1566 versehen, ist im Besitze des Joanneums zu Graz. 1

Als nächstältestes Schinzeug, das aus Hauptgerät und Nebengerät besteht, ist ein aus Klagenfurt und aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts

stammendes Schinzeug 2 zu nennen (Bild 30). Es ist in seiner Bauart fast gleich dem zuvor besprochenen Schin­zeug, nur ist es in seinen Zierformen etwas reicher, ins­besondere seine Säule ist stär­ker untergliedert.

Der Höhenkreis ist in 2x12 Halbstunden unterteilt, der Zeiger zur Ablesung am Kompaß ist in der Richtung des Höhenkreises angebracht, so daß unmittelbare Strei­chungswinkel abgelesen wer­den konnten. Das Ende des Senkelhalters ist wiederum als gotischer Fabeltierkopf ausge­bildet. Ein Senkelkäfig fehlt. Das Nebengerät des Schin­zeugs besteht aus einer reich untergliederten, niedrigen Säule, an der seitlich eine zweite befestigt ist, die oben in einen Senkelträger um­biegt und unten einen Haken zur Schnuranhängung besitzt. Als Senkelträger dient wiederum der Kopf eines gotischen Fabeltieres. Hierin offenbart sich die Freude des Verfertigers am Hineinsehen von lebendigen Formen in starres Gerät.

Bild 31 stellt ein weiteres, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stam­mendes. Schinzeug-Hauptgerät samt dem dazugehörigen Kompaß dar. Ob diese beiden Markscheidergeräte noch irgendwo in Wirklichkeit vorhanden sind, konnte nicht ermittelt werden. Sie sind einer Skizze des genannten verstorbenen Bergrates Riedl entnommen, dem Kompaß und Schinzeug zweifellos wirklich Vorgelegen sind, da er den Vermerkaus Hall in Tirol handschriftlich an seiner Zeichnung angebracht hat.

Eine Weiterentwicklung der bisher besprochenen Zweibussolenkompasse stellt

Bild 30. Schinzeug, Haupf- und Nebengerät, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

(Das Hauptgerät in einem zeitgenössischen Zweibussolenkompaß eingesteckt.)

1 Inv.-Nr. 19742.

2 Inv.-Nr. VC 47a und b der Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde.