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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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46 Die instrumenteilen Grundlagen.

Kompaßplatte zwei Sonnenuhrteilungen, die, wie bereits erwähnt, als Mittagslinie die 1224-Stundenrichtung haben und von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends bzw. 4 bis 6 Uhr früh und 6 bis 8 Uhr abends beziffert sind. Unterhalb des quadratischen Einsteckloches für das Schinzeug ist das Monogramm des Erfinders des Sonnenuhr­kompasses graviert, es enthält die Buchstaben RAOSD, vielleicht auch noch M, und ganz klein darunter die AbkürzungInv. (Inventit). Zu erwähnen ist noch,

daß merkwürdigerweise die Nord-Bezeichnung der bei­den Bussolen nicht in die Richtung der Stunde 24 weist, sondern mit hora 12 zusammenfällt.

Die Datierung dieses Kompasses ist insofern sehr einfach gewesen, als das dazugehörige Schinzeug ebenfalls im Technischen Museum Wien 1 auf be wahrt wird und am Senkelträger die Gravierung ,,16 STEVR 67 trägt. Höhenkreis und Schnurzug-Alhidade des aus Messing verfertigten Schinzeuges fehlen. Der Schinzeugvierkant und die mittige Einsteckausneh­mung im Setzkompaß ent­sprechen einander vollstän­dig. Das Schinzeug überrascht durch seine starke Ausführung; es ist 200 mm hoch und besonders sein Senkel ist massiv gearbeitet.

Eine neue Entwicklungsform der Schinzeuge brachte das beginnende 18. Jahrhundert. Es mußte von den damaligen Markscheidern offenbar als un­praktisch empfunden worden sein, mit den verhältnismäßig großen Setzkompassen zu arbeiten, wie sie die bisher gebräuchlichen Zweibussolenkompasse darstellten, deren Mindestdurchmesser durch das aufgesteckte Schinzeug und dessen Zeiger gegeben war. Vielleicht war man auch zur Einsicht gekommen, daß zwei Bussolen gleichzeitig unnötig seien. Vielleicht wollte man auch Schinzeug und Kompaß zu einem einzigen Instrument vereinigen. Dies gelang, wenn man das Schinzeug nicht wie bisher, mittig in den Kompaß aufsteckte, sondern den Kompaß mittels eines waagrechten Ringes seitlich des Schinzeugs einsetzbar anordnete.

Von den diesem Gedankengang entsprechenden Schinzeugen mit außermittig angebrachten Kompassen finden sich in der reichhaltigen Leobener Sammlung vier Stück und eines im Prager Technischen Museum.

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Bild 33. Schinzeug aus Hallstatt (Salzkammergut) aus dem Jahre 1709.

1 Inv.-Nr. 6979/2.