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Bevor diese fünf Schinzeuge näher besprochen werden, muß hier eingefügt werden, daß sich, wie schon erwähnt, anscheinend um die Wende des 17. Jahrhunderts im Salzkammergut eine Wandlung im Sprachgebrauch des Wortes „Schinzeug“ vollzogen hat, in der Richtung, daß eine Verallgemeinerung des Begriffes „Schinzeug“ entstand und man damit schließlich um das Jahr 1700 herum alle zum Schinen und Zulegen gebrauchten Instrumente und Geräte zu bezeichnen pflegte. Dies geht sowohl aus mehreren aus dieser Zeit stammenden Hallstätter Archivstellen hervor als auch aus der Tatsache, daß von den vier nun zu besprechenden Schinzeugen, die sich in der Leobener Hochschulsammlung befinden, drei in zeitgenössischen Holzkästen untergebracht sind und die Sammelbezeichnung „Schinzeug“ tragen, obwohl sie nicht nur das Schinzeug- Haupt- und Nebengerät, sondern auch alle notwendigen Längen- und Winkelauftraggeräte enthalten. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß dieser Sammelbegriff für die Schinzeuge in den deutschen Bergstädten Oberungarns entstand, wie wir später noch sehen werden.
Das eine älteste, genau datierte „Schinzeug“ dieser neuen Art 1 stammt aus Hallstatt aus dem Jahre 1709 (Bild 33). Es ist nicht mehr ganz vollständig. Es enthält das Schinzeug-Hauptgerät neuer Bauart, von dem jedoch die Aufsteckspindel fehlt, das Schinzeug-Nebengerät und eine Bergwaage in Form eines Hängegradbogensegments mit einigen Teilstrichen an der Lotrechten, die sonach zum Einwägen diente. Einige weitere Geräte fehlen. Das Ganze ist sinnreich mittels verschiedener Holzklötze im Innern einer Holzkassette untergebracht, in der außerdem die Negativformen der einzelnen Instrumententeile aus dem massiven Holz ausgeschnitten sind, und dadurch die messingenen Bestandteile des Schinzeugs fest und rüttelsicher untergebracht werden können.
Die Holzkassette diente somit zur Aufbewahrung des vollständigen Schinzeugs und als Tragkasten. Sie ist 28,5 cm lang, 16 cm breit und 7 cm hoch. Am Deckel ist außen ein großer österreichischer Doppeladler mit Kaiserkrone, Reichsapfel und Zepter, sowie rot-weiß-rotem Wappenschild gemalt, der sich eindrucksvoll von seinem dunkelgrünen Grund abhebt. An der Innenseite des Deckels der Kassette ist ein herzförmig geschnittenes Papier aufgeklebt mit folgender Inschrift:
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Auf das Schinzeug-Hauptgerät beider „Schinzeugkästen“ ist gesondert hinzu weisen. Es ist einerseits in mehrere Teile zerlegbar und anderseits, dem früher entwickelten neuen Baugedanken entsprechend, mit einem außermittig angebrachten Ring zum Einsetzen des Kompasses versehen. Die einzelnen Teilstücke, aus denen das Schinzeug-Hauptgerät besteht, können insbesondere aus dem zweiten, fast vollständig erhaltenen Schinzeug, 2 das ebenfalls aus Hallstatt und etwa aus der gleichen Zeit wie das vorhin besprochene, demnach um 1709,
1 Inv.-Nr. VC 11.
2 Inv.-Nr. VC 30.