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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instrumenteilen Grundlagen.

vielleicht die Prunkausführung für einen Berghauptmann oder einen hohen Salzkammergutbeamten vor uns haben. Prunkausführungen von Markscheider­geräten sind uns übrigens auch aus anderen Bergbaubezirken, aus dem Harz und dem Sächsischen Erzgebirge, aus gleicher und früherer Zeit bekannt. * 1 An der Aus­führungsform des Schinzeug-Nebengerätes hat sich nichts geändert, es ist den bisher gebräuchlichen Geräten gleichgeblieben. Sowohl das Haupt- als auch das Nebengerät haben an ihrem unteren Ende ein Schraubengewinde, womit sie in eine Holzspreize eingeschraubt werden konnten. Wir haben somit eine Spreizen­aufstellung für diese Art der Schinzeuge als wahr­scheinlich anzunehmen.

Der aus Messing ge­fertigte Einsetzkompaß hat einen Durchmesser von 48 mm und ist durch einen oben angebrachten breiten Rand gekennzeichnet, mit dem er in den Kompaßring des Schinzeugs eingesetzt werden kann. Er besitzt einen aus Silber gefertigten Stundenring, der widersin- nisch in 2 X 12 Stunden ge­teilt ist und wobei jede Stunde eine acht Achtel- stunden-Unterteilung auf- weist. Weiter sind am Kom­paß die vier Weltgegenden mit abgekürzten lateinischen Benennungen angeführt, so daß Nord und Süd mit den Stunden 12 zusammenfallen, die BezeichnungOst sich jedoch an der Westseite undWest an der Ostseite der Bussole befinden. Dadurch war es möglich, sofort das richtige magnetische Streichen eines Schnur­zuges unmittelbar am Kompaß abzulesen, ähnlich wie auch unsere heutigen Gruben­oder Geologenkompasse noch die gleiche Art der Bezeichnung der Weltgegenden tragen.

Zum Kompaß und Schinzeug gehörig ist endlich noch eine messingene Zulegeplatte zu erwähnen, die als Schmuck zeitgenössische Strichgravierungen aufweist in Form einer quadratischen und kreisrunden Umrahmung. In diese Zulegeplatte kann der Kompaß eingesetzt und mittels einer zierlich geformten Flügelschraube befestigt werden.

Aus der gleichen Zeit, um 1720, aus Bergreichen stein im südwestlichen Böhmen,

1 C. Krause, Geschichte, 1. c., S. 24. W. Nehm, Markscheidewesen auf dem Harz,

1. c., 1934, S. 42. Auch Bergbarteil in Prunkausführungen sind aus dem Harz und aus dem Sächsischen Erzgebirge bekannt.

Bild 37, Schinzeug aus Bergreichensiein in Böhmen aus der Zeit um 1720.

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