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Die instrumentellen Grundlagen.
teilung beträgt eine Achtelstunde, an der unbezifferten Gradteilung 1°. Je 7 -f- 8° sind zu 1 Stunde (15°) zusammengefaßt. Weiter sind die vier Weltgegendenbezeichnun- gen in regelläufiger Weise angebracht. Die Befestigung des Kompasses auf der Zulege- platte geschieht durch Einsetzen desselben und Anbringung einer silbernen Ablesemarke mit Fenster, die gleichzeitig den Kompaß auch niederhält und den Gleichlauf der 12—24-Stundenlinie des Kompasses mit der Ziehkante der Zulege platte gewährleistet.
An der Rückseite des Höhenkreises des Schinzeug-Hauptgerätes ist, wie erwähnt, der Name des Verfertigers des Schinzeugs eingraviert: ,, Johan M. Schmick- hel Fecit Grecy“. Das Schinzeug stammt vom Revierbergamt Leoben. Auf Grund seiner Ausführungsform und Verzierungen schätzte ich es anläßlich der Durcharbeitung der Leobener Sammlung für die Zeit von 1730 bis 1750 ein. Daß dies richtig war, erwies sich daraus, daß ich später im Technischen Museum zu Wien eine Zulegeplatte vorfand, die als Hersteller ebenfalls den Namen ,,M. Schmick- hel“ trug und dazu die Jahreszahl ,,1740“ (Bild 94).
Das ganze Schinzeug, Haupt- und Nebengerät samt Kompaß, Zulegeplatte und weiterem Zubehör, ist in einer zeitgenössischen Holzkassette mit Lederüberzug in den Ausmaßen von 34 x 25 X 5 cm untergebracht, darauf ein sechszackiger Stern und andere Ornamente eingepreßt sind.
Das ScHMiCKHELsche Schinzeug aus der Zeit um 1740, das ich zu Ehren der alten obersteirischen Markscheider und ob seiner Verwendung im Leobener Revierbergamt das „Leobener Schinzeug“ nenne, stellt somit den letzten Vertreter einer langen Entwicklungsreihe markscheiderischer Instrumente dar.
Zusammenfassend kann daher über die Schinzeuge gesagt werden:
Die Schinzeuge stellen typisch österreichische Markscheiderinstrumente dar und sind nur den Markscheidern der alpenländischen Erz- und Salzbergbaue bekannt gewesen und wahrscheinlich auch in Oberungarn und Siebenbürgen in Verwendung gestanden. In anderen Bergbaubezirken, wie im Harz oder im Erzgebirge, fehlen sie. Eines ist uns aus Bergreichenstein in Böhmen erhalten. Die Schinzeuge kamen zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf. Ihre ältesten Ausführungen weisen noch rein gotische Zierformen auf. Lange Zeit, fast zwei Jahrhunderte hindurch, waren Schinzeug und Setzkompaß zw T ei vollkommen gleichwertige, voneinander getrennte und nur zur Zusammenarbeit vereinte Instrumente. Der Einbussolenkompaß und das Schinzeug waren von etwa 1520 bis 1600 in Gebrauch, der Zweibussolenkompaß und das Schinzeug von etwa 1600 bis 1680 oder 1700. Um diese Zeit wurden die alten Schinzeuge durch solche einer neuen Bauart abgelöst, die ich die Hallstätter Form genannt habe und die Schinzeug und Kompaß zu einem einzigen Instrument vereinte. Als letztes Schinzeug ist dann das „silberne“ Leobener Schinzeug von M. Schmickhel anzusprechen, das in die Zeit um 1740 fällt. Somit ergibt sich, daß die Schinzeuge im österreichischen Markscheidewesen vom Beginn des 16. bis fast zur Mitte des 18. Jahrhunderts, demnach fast zweieinhalb Jahrhunderte lang, in Gebrauch waren. Mit diesen Schinzeugen, die bereits verhältnismäßig hoch entwickelte Instrumente darstellen, wurden durch mehr als zwei Jahrhunderte hindurch von den alten Markscheidern bemerkenswert gute Messungen ausgeführt, wovon heute