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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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W inkelmessung.

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noch zahlreiche alte Grubenkarten aus österreichischen Bergbauen ein sichtbares* Zeugnis ablegen.

Es kann somit gesagt werden, daß die Leobener Lehrkanzel für Mark­scheidekunde, wie aus obigen Ausführungen hervorgegangen ist, die größte und wertvollste Sammlung an Schinzeugen, sowohl der Anzahl als vor allem ihres künstlerischen und geschichtlichen Wertes nach, besitzt, worauf das Land Österreich und sein Markscheiderstand mit Stolz hinweisen können.

Hängekompasse.

Balthasar Rössler, dem berühmten Freiberger Markscheider und Verfasser des ,,Hell-Polierten Bergbau-Spiegels, wird bekanntlich für das Jahr 1633 die Er­findung des Hängekompases 1 zugeschrieben. Er befestigte einen in runder Büchse befindlichen Kompaß in zwei übers Kreuz gestellten, fest verbundenen aufrechten Ringen. Die Ebene des äußeren Ringes geht durch die Teilungsachse der Bussole. Am äußeren Ring sind zum Aufhängen des Kompasses an der Ver­ziehschnur zwei Haken angebracht, deren Verbindungslinie (Hängelinie) mit der Teilungsachse, der 1224-Stundenlinie des Kompasses, ebenfalls in einer Ebene liegt. Man hat also eine mit der Teilung fest verbundene Zeigerlinie vor sich, wes­halb die Kompaßteilung widersinnisch, d. h. entgegengesetzt dem Uhrzeiger­sinne, ist. Um beim Arbeiten mit dem Hängekompaß das Streichen der Schnur unmittelbar zu erhalten, hängt man den Nordpunkt der Teilung grundsätzlich immer voraus.

Die RösSLERsche Form des Hängekompasses, das sog.Kreuzhängezeug, die im Erzgebirge und Harz in der zweiten Hälfte des 17. und während des 18. Jahr­hunderts allgemein verbreitet war, scheint später auch im alpenländischen Bergbau Eingang gefunden zu haben, wie zwei in der Leobener Sammlung der Montanistischen Hochschule der Lehrkanzel für Markscheidekunde befindliche Hängekompasse 2 mit kreisrunder Bussole und Doppelringaufhängung, etwa aus der Zeit um 1740 bis 1750 stammend, beweisen (Bild 40). Auch ein Hängekompaß in Rund­gehäuse mit Doppelbügelaufhängung, 3 der etwa aus der Zeit um 1730 bis 1750 stammt, ist dort vorhanden (Bild 41).

Die gedankliche Grundlage des Hängekompasses, dessen Erfindung bisher Rössler zugesprochen wurde, ist die, eine rasche und einwandfreie Aufstellung, in diesem Fall Aufhängung des Kompasses zugleich mit einer festen Ziellinie, als die die Schnur oder die durch sie hindurchgehende lotrechte Hängeebene dient, zu er­reichen. Eine weitere praktische Grundlage, die jedoch der Erfindung des Hänge­kompasses vorausgehen mußte, war die Erfindung der Verziehschrauben. Kom­paß und Schnur in der Hand des Markscheiders sind uns vor allem durch Agricola und das Schwazer Bergbuch, beide aus dem Jahre 1556, in Wort und Bild bezeugt. Die Kompasse aus dieser Zeit sind sowohl Bussolen in rundem Gehäuse,

1 P. Wilski, Markscheidekunde II., 1. c., S. 113. Über den Lebenslauf Bal­thasar Rösslers bringt einiges C. Krause, Beiträge zur Geschichte der Entwicklung der Instrumente ..., S. 26.

2 Inv.-Nr. VC 63 und VC 14.

3 Inv.-Nr. VC 15.