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richtig war, beweist, daß der Hängekompaß heute, nach 300 Jahren, noch immer in Gebrauch steht. Unabhängig von Rössler und vom Sächsischen Erzgebirge ist jedoch auch in Österreich der Hängekompaß selbständig erdacht worden, wie aus der Abbildung eines solchen Kompasses auf einer Ausseer Grubenkarte aus dem Jahre 1611 hervorgeht (Bild 42). Dieser Kompaß, nach damaliger Art in rechteckigem Gehäuse eingeschlossen und mit schöner Beineinlegearbeit versehen, besitzt zwei Aufhängehaken an den Schmalseiten. Die Entwicklung der Hängekompasse weist somit in Österreich von allem Anfang an eine vollkommen selbständige Form auf. Während die bisher bekannte älteste Abbildung eines Hängekompasses eine solche RössLERscher Form in V oigtels „Geometria subterranea“ vom Jahre 1686 war, ist nun als älteste Darstellung eines Hängekompasses diejenige auf der Ausseer Salzbergkarte aus dem Jahre 1611 anzusprechen.
Der Kompaß ist rechtsinnisch in 1 X 24 Stunden geteilt, jede Stunde ist in vier Viertel unterteilt. Unterhalb des Kompasses finden sich die Worte vermerkt: ,,Sd]tn Compaff barnad? bifc UTappa <£ingcftdt ift." Die Darstellung des Kompasses diente somit zur Orientierung der Karte.
Der Zweitälteste Nachweis eines Hängekompasses in Deutschösterreich, den ich erbringen kann, ist die Abbildung eines solchen auf einer aus der Zeit um 1650 1 stammenden Grubenkarte des Salzbergbaus Michelhallbach bei Aussee (Bild 43). Der Sitte der damaligen Zeit entsprechend, seine bei der Vermessung verwendeten
Instrumente oder zumindest ein Gerät auf der Grubenkarte abzubilden, kam auch hier der unbekannte Markscheider und Zeichner jener Grubenkarte nach, indem er seinen Kompaß abbildete, zugleich auch hier die Karte nach Nord einweisend. Der Kompaß hat, wie alle damaligen österreichischen Grubenkompasse, ein rechteckiges Holzgehäuse, das reichen Schmuck — zwei Köpfe, Blätter und Ranken — in Holzschnitzerei oder Beineinlegearbeit zeigt, und er besitzt zwei kurze, anscheinend gleichständige Auf hängehaken. Der Kompaß ist in 1x24 Stunden geteilt, jedoch rechtsinnisch und nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, widersinnisch. Es konnte mit ihm also nicht unmittelbar das Streichen, sondern bloß der Ergänzungswinkel auf 24 Stunden abgelesen werden. Ob dies bloß eine ungeschickte zeichnerische Darstellung ist oder der Kompaß wirklich so aussah, läßt sich nicht entscheiden. Jedenfalls weisen spätere Hängekompasse mit rechteckigem Gehäuse zwei Teilungen auf, eine widersinnische zum Ablesen während des Verziehens und eine rechtsinnische zum nachträglichen Zulegen.
Ähnliche Hängekompasse aus späterer Zeit, entweder mit kurzen gleichständigen
Bild 42. Erster Nachweis des Hängekompasses. Diese Darstellung findet sich auf einer österreichischen, aus dem Jahre 1611 stammenden Grubenkarte des Salzbergbaus Aussee.
(Salinenverwaltung Alt-Aussee.)
O.-ö. Landesarchiv, Linz a. D., Grundrisse Michelhallbach.