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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Winkelmessung.

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Einen ähnlichen wie diesen beschriebenen Kompaß bildet v. Andrian 1 in seinem Werk,Die Altausseer ab. Dieser Ausseer Hängekompaß ist signiert und stammt aus der Meisterwerkstätte des Vergeschworenen Mathias Grill aus dem Jahre 1755. Grill, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts lebte, war nicht nur Kompaßmacher, sondern verfertigte auch schön ornamentierte, mit Bein eingelegteBergstabl.

Das Hallstätter Museum besitzt weiter eine aus der ersten Hälfte des 18. Jahr­hunderts stammende handschriftliche AnleitungDie Schünn Kunst Fundamen taliter zu erlehrnen, worin mit außerordentlicher Genauigkeit u. a. ( auch die Hänge­kompasse in Tuschzeichnung dargestellt sind, von denen zwei den bisher beschriebenen Hall­stätter Kompassen sehr ähnlich sehen. 2 In der Schrift, die den HaupttitelBeschreibung der Geometerischen Kunst und Instroment trägt, wird unter demPuncta zur Schünn Kunst nothwendig zu wüssen, u. a. angeführt: ,,ADill man aisbann fcfyünen in ben Berg auf einen Durd]= fdjag, fo fang mann bey einem gelegenfamben IDecfyfl an . . . bie Schnüre ausge 3 ogen gegen . . .

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Auch in der Leobener Lehrkanzel 3 findet sich ein als Salzkammergutarbeit anzuspre­chender, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammender Hängekompaß in rechteckigem Nuß- holzgehäuse mit Beineinlegearbeit. Die Größe aller dieser Kompasse ist etwa 120x70xl5mm.

Dieser Leobener Kompaß hat gleichständige kurze Aufhängehaken und einen aus Zinn gefer­tigten Stundenring mit rechtsinnischer Teilung.

Alle diese im vorstehenden genannten Hänge - kompasse aus dem 17. und 18. Jahrhundert legen ob ihrer kunstvollen, ausgeglichenen Ausführung Zeugnis ab von dem Kunst­sinn und der Kunstfreude dieser Zeit, in der die Handwerker eine Ehre darein - setzten, auch Künstler zu sein.

Ein sehr beachtenswertes und wichtiges Zwischenglied in der Weiterent­wicklung der Hängekompasse stellt nun ein im Technischen Museum in Wien 4 befindlicher Hängekompaß mit langen, abwechselnd gleich- und gegen­ständigen Aufhängehaken dar (Bild 45). Er besteht aus einem 113x70 mm messenden, rechteckigen Kompaßgehäuse aus Holz, dessen Oberseite durch eine schön gravierte dünne Elfenbeinplatte belegt und dessen Unterseite von einer sehr geschmackvollen Einlegearbeit in Holz und Elfenbein geschmückt ist. Auch

1 F. v. Andrian, Die Altausseer. Abb. 57, Wien 1906.

2 F. Morton, 1. c., S. 84.

3 Inv.-Nr. VC 33.

4 Inv.-Nr. 9676/2.

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Bild 45 Hängekompaß mit ab­wechselnd gleich- und gegenständi­gen Authängehaken von Simon Ober­häuser zu Schwaz aus dem Jahre 1748.