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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instrumentellen Grundlagen.

die Seiten des Gehäuses sind mit prachtvoll gravierten Beinplättchen bedeckt. Die Bussole besitzt zwei Stundenringe, einen äußeren, messingenen Stundenring, der eine rechtsinnische Teilung in 1X 24 Stunden aufweist, und einen inneren, aus Silber gefertigten Stundenring, der widersinnisch in 2x12 Stunden geteilt ist. Jede Stunde ist in acht Achtel unterteilt. Der Kompaß ist mit einer Nadel­klemmung versehen.

Das Besondere an diesem Hängekompaß sind seine Aufhängehaken. Um stets ein waagrechtes Aufhängen, auch bei schräg gespannter Schnur, zu ermög­lichen, brachte der Erfinder Aufhängestäbe an, die nach beiden Seiten hin Auf hängehaken, vier bzw. fünf nach jeder Seite, demnach insge­samt neun, aufweisen. Diese Aufhängestäbe sind 135 mm lang und aus Silberblech ausgesägt, sowie durch je zwei Langlöcher abnehmbar mittels Schrauben am Kompaßgehäuse befestigt, sei es zum Zwecke der Verpackung und Mit­nahme des Kompasses in die Grube, sei es, um den Kompaß zum Zulegen gleich selbst gebrau­chen zu können. Die Kompaßbüchse läßt sich herausschrauben und trägt, von außen unsicht­bar, am Boden die Worte eingeschnitten:

Simon Oberhäuser von Schwaz Eecit, Anno 1748.

Der Kompaß stellt somit, wie hervorzuheben ist, durch die stets ein waagrechtes Einstellen er­möglichende Form seiner Aufhängestäbe ein wichtiges Zwischenglied in der Entwicklungs­reihe der österreichischen Hängekompasse dar und kann ob seines einmaligen Seltenheitswertes nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er stellt ein europäisches Einzelstück dar.

In der Leobener Sammlung befindet sich weiter ein aus dem Jahre 1754 stam­mender Hängekompaß in Rahmen mit beweglichem Aufhängebügel 1 (Bild 46). Er besteht aus drei Teilen: Kompaß, Holzgehäuse und Aufhängevorrich­tung. Das kreisrunde messingene Kompaßgehäuse ist 75 mm im Durchmesser groß und besitzt einen äußeren und einen inneren Stundenring. Der äußere Stunden­ring ist rechtsinnisch in 1 X 24 Stunden, der innere widersinnisch in 2x12 Stunden geteilt; jede Stunde der äußeren Teilung ist in vier Viertelstunden, jede Einheit der inneren Teilung in acht Achtelstunden unterteilt. Ferner sind am Grunde der Kompaßbüchse die abgekürzten lateinischen Bezeichnungen der vier Weltgegenden in richtiger Reihenfolge, die Nordbezeichnung mit Stunde 24 zusammenfallend, vermerkt.

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Bild 46. Hängekompaß in Rahmen mit beweglichem Aufhängebügel von Johann Oberhäuser zu Schwaz aus dem Jahre 1 754.

( a l s der nat. Größe.)

1 Inv.-Nr. VC 29.