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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Die instruinentellen Grundlagen.

sind. Der Hängekompaß des Peregrin Oberhäuser ist widersinnisch in 1 X 12 Stunden und rechtsinnisch in 360° geteilt, diese jedoch nur von 30° zu 30° geteilt und beziffert. Die vier Seiten des Kompaßgehäuses sind nicht parallel den vier Weltrichtungen des Kompasses, oder den Stundenlinien 12/24 und 6/18, sondern widersinnisch um etwa 16°, offenbar den Betrag der magnetischen Mißweisung, verdreht. So viel sich aus der Zeichnung Riedls entnehmen läßt, dürfte der Kompaß ebenfalls aus der Zeit um 1750 bis 1760 stammen. Auch diese Kompaßform ist

als Kardanaufhängung anzu­sprechen.

Den ersten Hänge­kompaß RössLERscher Form bildet bekanntlich Nikolaus Voigtel, 1686, auf Tafel 2 (S. 24) seiner Geometria subterranea ab, wonach dann O. Brathuhn und P. Wilski 1 die Abbil­dungen übernahmen. Röss- lers Kompaß hat zwei senk­recht zueinander angeordnete Ringe; statt dessen kann auch der die Bussole tragende Ring waagrecht im Auf­hängering angebracht wer­den (Bild 48).

Ein kleiner Hängekom paß in RössLERscher Form von bloß 70 mm Hängering­durchmesser, aus der Zeit um 1740 bis 1750 stammend, ist gleichfalls in der Leobener Sammlung vorhanden. 2 Weiter ist ein ebenfalls dort befindlicher Hänge­kompaß mit Doppelbügelaufhängung, gegenständigen Aufhängehaken und mit Klemmvorrichtung zu erwähnen, der etwa aus der Zeit um 1750 stammt. 3 Der untere Bügel ist am Kompaßgehäuse befestigt, der obere Bügel mit den Aufhängehaken ist mittels eines kleinen Bolzens am unteren beweglich ange­ordnet. Der Stundenring des Kompasses weist eine rechtsinnische Teilung von 1 X24 Stunden auf, deren jede in acht Achtelstunden unterteilt ist. Das Technische Museum in Wien besitzt einen ähnlichen Hängekompaß mit Doppelbügelaufhängung, 4 der etwas älter sein dürfte als der soeben beschriebene, und zu dem auch eine dazu­gehörige Zulegeplatte vorhanden ist.

1 P. Wilski, 1. c., II., S. 113.

2 Inv.-Nr. YC 14.

3 Inv.-Nr. YC 63.

4 Inv.-Nr. 9674.

Bild 48. Hängekompaß Rösslerscher Form (Aus Beyer: Markscheidekunst, Dresden 1749, Tafel 6).

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