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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Winkelmessung.

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Höhenscheibe zur Messung von Höhenwinkeln sowie ein eigenes Zielzeichen, beide Markscheidergeräte mit der gleichen Auf stellhülse versehen, gehören.

Obwohl aus späterer Zeit stammend, muß hier die Besprechung der sogenannten Schmalkalder Bussole eingefügt werden, da sie ihrer Entwicklung nach zu den Zielkompassen gehört. Die Sclnnalkalder Bussole, auch Prismenkompaß genannt, ist insofern bemerkenswert, als die auf einer Pappscheibe oder einem Aluminiumring aufgetragene Teilung auf der Magnetnadel befestigt ist und sich daher mit ihr dreht. Die Teilung ist daher rechtsinnisch in Graden beziffert. Auf der Kompaßbüchse ist ein umklappbares Abschauen befestigt. Wenn man nun durch den Schauschlitz über das Haar hinwegzielt, sieht man gleichzeitig durch ein Prisma die unter dem Schauschlitz liegende Teilung und kann sie ablesen. Diese Art Bussole mit beweglicher Teilung wurde im Jahre 1812 von dem in London lebenden deutschen Mechaniker Schmalk alder erfunden und hat sich seitdem in manchen Mark- scheidereien, wo auch Forstbesitz zum Grubeneigentum gehört und die Bussole zur Ergänzung tachymetrischer Aufnahmen im Walde dient, erhalten.

Zielbussole mit Zahnkreis und Meßrad.

Bisher haben wir drei Arten von Zielkompassen, abgesehen von der Schmalkalder Bussole, kennengelernt, von denen zwei aus Deutschösterreich stammen. Ob viel­leicht ein dem REiNHQLDschen Visierkonipaß ähnlicher Zielkompaß in alpenlän­dischen Bergbauen einst angewendet wurde, muß dahingestellt bleiben. Im folgenden soll nun als ältestes, an der Leobener Lehrkanzel für Markscheidekunde aufbewahrtes Bussoleninstrument, eine Zielbussole mit Zahn kreis und Meßrad, 1 die aus dem Jahre 1746 herrührt und somit für diese Zeit den ersten Nachweis des aus Österreich stammenden Meßrades bringt, eingehender besprochen werden (Bild 60 und 61).

Das Instrument ist aus Messing verfertigt und besteht aus einem halbkreis­förmigen Lagekreis mit einem festen und einem beweglichen Winkelschenkel; beide Winkelschenkel tragen ein umklappbares Abschauen. Der bewegliche Winkel­schenkel besitzt einen seitlich angebrachten Ring, in den eine Bussole eingesetzt wird.

Der Lagekreis ist in 180° geteilt und nach beiden Richtungen von 0 bis 180 beziffert. Seine Teilung ist als Transversalteilung ausgebildet, so daß die unmittel­bare Ablesung am Grundkreis der Zielbussole 10' beträgt und das Schätzen auf 1' noch möglich ist. Der Außenrand des Lagekreises ist als Zahnkreis ausgebildet, dessen Teilkreis 205 mm Durchmesser hat. Auf 10° des Zahnkreises kommen 5 Zähne, so daß einem Zahn 2° entsprechen. In diesen Zahnkreis greift nun ein kleines Zahnrad mit 10 Zähnen ein, in dieses wiederum ein zweites mit ebenfalls 10 Zähnen, das mit einem dritten Zahnrädchen, das einen Pfeil als Zeiger trägt und 5 Zähne besitzt, in Eingriff steht. Durch diese Übersetzung der Meßrädchen entsteht eine unmittelbare Ablesung von 9 mittels des Pfeiles an einer Kreisteilung, die auf einer kleinen Messingplatte, die die Zahnradübersetzungen bedeckt, angebracht ist. Dieser Teilkreis ist in 40 Teile geteilt und je 4 Teile sind zu einer dekadischen Einheit zusammengefaßt und von 1 bis 10 beziffert. Es entsprechen somit einer Einheit

1 Inv.-Nr. VC 63.