Heft 
1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen

Winkelmessung.

79

vermutlich österreichischer Festungsbauingenieur und Offizier, vielleicht in Ober­italien, in der Lombardei oder in Südtirol. Wahrscheinlich wurde das Instrument später in der Markscheiderei eines österreichischen Bergbaus verwendet, von wo es dann nach Leoben kam.

Der Vollständigkeit halber ist noch zu erwähnen, daß beide Winkelschenkel, die übrigens eine schmückende Gravierung besitzen, an ihrer Innenkante eine Zoll­teilung haben, die von 0 bis 8 beziffert und in je 10 Teile unterteilt ist. Auch sind die beiden messingenen, umklappbaren Abschauen noch besonders hervorzuheben, da sie je ein aus dem Vollen herausgesägtes Anzielkreuz sowie darunter ein Schauloch be­sitzen und reiche Gravierung als schmückende Verzierung tragen. Sie sind mittels drei zierlich gearbeiteten Flügelschräubchen an den Winkelschenkeln befestigt. Als Drehpunkt der Winkelschenkel ist ein Knopf vorhanden, der nach unten hin als Hohlzapfen ausgebildet ist, so daß auf eine Stockaufstellung des Instrumentes oder eine Zapfenaufstellung auf einem Dreifuß geschlossen werden kann.

Über die Arbeitsweise mit dieser Zielbussole wäre folgendes zu sagen: Man brachte offenbar beide Winkelschenkel in gestreckte Lage, befestigte die Bussole im Kompaßring so, daß die NS-Linie parallel den Winkelschenkeln war und zielte nun, das Instrument im Zugpunkte aufgestellt, das Ziel an.

Dann drehte man den beweglichen Winkelschenkel so lange, bis der Kompaß einspielte und bekam so

unmittelbar die Meridianablesung! Eine ähnliche Zielbussole ist in den Sammlungen des Stiftes Kremsmünster enthalten. Auf ihr ist der Name Mathias Jakob Presl vermerkt. Das Instrument ist mit einem Kugelgelenk versehen, so daß nicht nur Lagewinkel, sondern nach seiner Umkippung auch Höhenwinkel gemessen werden konnten. Das Instrument besitzt daher einen kardanisch auf gehängten Kompaß, wie ein ähnlicher auch in der Leobener Sammlung * 1 aus der Zeit um 1780, als Teil­stück eines nicht mehr vorhandenen Bussolenzielinstruments auf be wahrt ist. Das Kremsmünsterer Instrument konnte ich leider selbst nicht sehen.

Auf unsere Zeit übergehend, stellt eine Weiterentwicklung dieser ersten uns er­haltenen und mit einem Meßrad ausgestatteten Zielbussole der um 1900 her­ausgekommene Zahnkreistheodolit von Heyde dar. An Stelle einer Kreis­teilung hat der Kreisumfang des Teilkreises genau geschnittene Zähne 1 Zahn entspricht hier 1°, so daß der Zahnkreis selbst als Winkelmeßvorrichtung dient. Ein Schneckenrad mit einer Meßtrommel an der Seite liegt am gezahnten Teil- > kreis an und ermöglicht dadurch die Feinablesung. Eine Weiterbildung dieses

Bild 61. Neigenfeindsche Zielbussole.

Wortencignerius bezeichnet einen Mann, der eine Stadt mit einem Festungsgürtel umgeben konnte. (Siehe auch F. M. Feldhaus, Die Technik der Antike und des Mittelalters, S. 277, Berlin 1931).

1 Inv.-Nr. VC 58.