Winkelmessung.
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wenn sie etwas schon Bekanntes gewesen wäre, wäre die riesenhafte dreifache Abbildung und allegorische Ausschmückung mit einem sich dar über beugenden, unbekleideten Mann unverständlich. Agricolas Setzwaage besteht aus zwei rechtwinkelig angeordneten Holzstücken als Setzfläche, an der eine kreisrunde Büchse mit einem Pendel befestigt wurde. Es war ein Skalenbogen (Quadrant) gezeichnet, der eine wider- sinnische Teilung in 90° auf wies, die in der Lotrechten mit 45° beginnend, von 10 zu 10° fortschreitend von 0 bis 90 beziffert war. Dies ist der erste Nachweis, daß die 360°- Teilung im deutschen Bergbau gebräuchlich war. Auch eine zweite, uns heute unverständliche Teilung in 2x4 imgleiche Teile, nach Art einer Sonnenuhrteilung, weist Agricolas „Aufsatz“ auf. Wir können uns vorstellen, daß die ganze Setzwaage vielleicht 15 bis 25 cm groß war. 1 Nach Agricola wurden zu seiner Zeit die Setzwaagen verwendet, um bei den Markscheider-Zügen die Wachsschei-
Bild 78. Setzwaage als Schinzeugzubehör aus Hallstatt, aus dem Jahre 1709.
( l l 2 der nat. Größe.)
Bild 79. Setzkompaß mit Setzwaage aus der Zeit um 1740.
( 3 l t der mit. Größe.)
heil söhlig zu stellen und auf diese Weise einwandfrei waagrecht gemessene Lagewinkel zu erzielen.
Eine Reihe weiterer Setzwaagen ist uns nun aus dem 18. Jahrhundert bekannt . So enthalten die zu Beginn des 18. Jahrhunderts gebräuchlichen Schinzeuge meist je eine Setzwaage beigegeben (Bild 78) oder aber, es wurde eine Setzwaage mit einem
1 Der Meinung P. Wilskis.(I. 119), daß es sich um schwere Holzbalken und um ein Ungetüm einer Setzwaage gehandelt habe, ist keineswegs heizupflichten. Richtige Größenmaße aus Agricolas Zeichnung ablesen zu wollen, wäre verfehlt. Nach der