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Die instrumenteilen Grundlagen.
Kompaß zusammengebaut (Bild 79). Zwei aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende und im Technischen Museum zu Wien * 1 befindliche Setzwaagen sind im Bild 80 dargestellt.
Beide Setzwaagen sind mit einem Skalenbogen in Quadrantenform ausgestattet und von 0 bis 45° in beiden Richtungen von der Lotrechten aus geteilt und beziffert. Es handelt sich demnach um Markscheidergeräte, mit denen, ähnlich Agricolas „Aufsatz“, nicht nur die Waagrechte angegeben, sondern auch Neigungen gemessen werden konnten. Die kleinere, aus Messing verfertigte Setzwaage — beide sind
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Bild 80. Setzwaagen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
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Pendelinstrumente — ist reich verziert und durch ihre gravierte Darstellung von zwei Delphinen bemerkenswert. Ihre Rückseite trägt ebenfalls reiche Ziselierung in Form von zartem Blumen- und Blätterschmuck. Die größere Setzwaage ist aus Holz, Messing und Elfenbein hergestellt; der Quadrant besteht aus Holz, die aufgelegte Skala ist in Elfenbein geritzt und das kunstvoll gearbeitete Pendel und die dazugehörige Führung sind aus Messing verfertigt. In der Mitte der Setzwaage ist in barocken Zierformen ein Schildchen mit dem Namen des Erfinders oder Erzeugers „Antonius Schega“ angebracht. Ein zeitgenössisches Lederetui dient zur Aufbewahrung dieses Gerätes. Schega dürfte ein Prager Instrumentenmacher um die Mitte des 18. Jahrhunderts gewesen sein, da diese Setzwaage aus Böhmen stammt. Auf die Ähnlichkeit des Schmuckmotivs der kleineren Setzwaage, nämlich schwimmenden Delphinen, mit einer später noch zu beschreibenden Winkelscheibe
Größe des abgebildeten Mannes zu schließen, müßte ja die Setzwaage 1,8 in breit und fast ebenso hoch gewesen sein, also größer als die damals üblichen Stollen breit waren. Der unbekleidete Mann ist nur eine allegorische Verzierung. Die Gefahr, daß die hölzerne Wachsscheibe „unter dem Gewicht der Balken der Setzwaage zerdrückt werden könnte“, war daher bestimmt nicht vorhanden.
1 Inv.-Nr. 9697/7 und 9696/7.