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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
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Die inst rumenteilen Grundlagen.

lieh häufig in Ge brauch waren (Bild 92 und 113). Langv. Haestadt 1 schreibt 1835 in seiner Markseheidekunde:

Schon vor ungefähr 50 Jahren hat ein gewisser Reizner in Oberungarn ein messingenes Auftrag-Instrument projektiert, welches unter der BenennungSchmöll- nitzer Scheibe in Umlauf kam.

Im weiteren beschreibt v. Hanstadt dann genau und umständlich Aussehen und Gebrauch der Schmöllnitzer Scheiben.

Eine Schmöllnitzer Scheibe besteht demnach aus einer ähnlich einem Kompaß eingeteilten Messingsoheibe, die einen von einem gradlinigen Rande be­grenzten Ansatz besitzt , der mit der Stundenbezeichnung 1224 parallel läuft. Auf der Scheibe ist, \im deren Mittelpunkt drehbar und mittels einer Sperrschraube fest­stellbar, ein langes Lineal befestigt, das an. seinem langen Ende ein als Anstoßleiste

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Bild 93. Schmöllnifzer Scheiben, die obere aus der Zeit um 1 780, die untere aus 1800 bis 1820

stammend.

dienendes verstellbares Querstück zum Anlegen an ein Reißbrett, an seinem kurzen Ende ein Fenster mit Spitzmarke zum Zwecke der Einstellung des aufzutragenden Winkels besitzt. Dies ist die ältere Ausführungsform der Schmöllnitzer Scheiben, wie sie mir von zwei Belegstücken her, die sich an der Leobener Hochschule 2 und im Technischen Museum zu Wien 3 befinden, bekannt ist.

Beide Scheiben sind schön ziseliert ; die in Leoben befindliche Scheibe besitzt um ihren Mittelpunkt herum eine kunstvoll gravierte Blume, die in Wien auf bewahrte Scheibe weist prachtvolle Rotziselierungen um den Mittelpunkt und als Kreisband zwischen der Grad- und Stundeneinteilung auf. Auch die Seitenwände des Ansatzes an der Scheibe sowie jene des Reißschienen-Querstückes weisen gravierte Ver­zierungen auf. Beide Schmöllnitzer Scheiben besitzen eine zweifache Teilung, sowohl in Stunden als auch in Grade. Die innere Stundenteilung läuft entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn und ist von 1 bis 24 beziffert, jede Stunde in 8 Achtel unterteilt. Die äußere, Gradteilung, ist in 4x90° eingeteilt, wobei die beiden Nullpunkte mit der

1 v. Hanstadt, Marksclieidekunde, S. 72, § 51. Pest 1835.

2 Inv.-Nr. VC 40a.

3 Inv.-Nr. 9700/7.