Längen- und Winkelauftraggeräte.
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Bezeichnung „Nord“ und „Süd“, die ÜO°-Punkte mit der Bezeichnung „Ost“ und „West“ zusammenfallen. Bei der in Leoben aufbewahrten Schmöllnitzer Scheibe beträgt die Armlänge des Lineals vom Scheibenmittelpunkt ab gemessen 67 cm, bei der in Wien befindlichen Scheibe 38,5 cm; der Durchmesser beider Scheiben ist 120 mm groß. Auf Grund der vorhin erwähnten Gravuren und Verzierungen wurde eine Altersschätzung der beiden Schmöllnitzer Scheiben vorgenommen und sie konnten in die Zeit nach 1780 eingereiht werden. Beide im vorstehenden beschriebenen Scheiben stammen somit aus der Zeit ihrer Erfindung. Nicht ausgeschlossen ist es, daß sie von der Hand Reizners selbst gefertigt und verziert wurden.
Eine jüngere Ausführungsform der Schmöllnitzer Scheiben, etwa aus der Zeit um 1800 bis 1820 stammend, tritt uns in Gestalt der zweiten in Leoben befindlichen Schmöllnitzer Scheibe 1 entgegen. Als Hersteller derselben ist der Name „J. C. Voigtlaender in Wien“ an der rechten Seite des geradlinigen Ansatzrandes eingeritzt. Das Auftraggerät weist insofern eine Verbesserung gegenüber den ersten oberungarischen Winkelscheiben auf, als die Reißschiene in einer eigenen Rührung unterhalb des Kreismittelpunktes verschiebbar geführt wird und an Stelle der schmalen Ableseöffnung am kurzen Ende der Reißschiene ein senkrecht dazu angebrachtes breites Fenster tritt, das mit einem radial befestigten Haar als Ablesemarke versehen ist, um eine rasche und genaue Einstellung des aufzutragenden Winkels zu ermöglichen. Eine Sperrschraube für die Winkelscheibe selbst fehlt auch hier nicht. Das Lineal besitzt eine Länge von 64 cm, der Scheibendurchmesser ist 11 cm. Die Teilung der Winkelscheibe ist doppelt wie bei den älteren Schmöllnitzer Scheiben, nämlich widersinnisch in 1x24 Stunden, wobei jede Stunde in 8 Achtel unterteilt ist und ebenfalls entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn in 360°, wobei jedoch, in Anbetracht des senkrecht zur Reißschiene angebrachten Einstellfensters und -haares, die 12—24-Stunden- und 180—360°-Linie nicht parallel zur geraden Ansatzkante der Schmöllnitzer Scheibe läuft, sondern senkrecht darauf steht.
Das Aufträgen von Winkeln wurde mit Hilfe dieser sogenannten „Schmöllnitzer Scheiben“ auf folgende Art und Weise vorgenommen: Man stellte die Winkelscheibe auf liora 12—24 ein — also ihre Nullinie parallel dem geraden Rande des Vorsprungs — und befestigte sie in dieser Lage mittels der Sperrschraube. Dann legte man das Winkelauftraggerät so auf das Zeichenpapier, wie man die Nord-Süd- Linie, die entlang des geradlinigen Randes des Ansatzes gezogen wurde, haben wollte. Senkrecht darauf zog man dann in gewissen Abständen mehrere „Äquatorlinien“. Liefen diese parallel der Reißbrettkante, so konnte man die Anschlagleiste der Schmöllnitzer Scheibe an das Reißbrett unmittelbar anlegen. War dies nicht der Fall, so mußte man „an eine der schicklichsten dieser Äquatorlinien“ 2 ein besonderes Messinglineal, das gleich stark sein mußte wie die Reißschiene der Scheibe selbst, anlegen, an dieses nun die Anschlagleiste der Schmöllnitzer Scheibe anstoßen und ihr Lineal nach Erfordernis verlängern oder verkürzen. Dann wurde durch Drehen der Scheibe der aufzutragende Winkel eingestellt, die Scheibe in ihrer neuen Lage mittels der Sperrschraube wieder befestigt und das ganze Gerät so an den Zugpunkt
1 Inv.-Nr. VC 40b.
2 J. N. Lang v. Hanstadt, Anleitung zur Markscheidekunst. S. 72. Pest 1835.