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Die instrumenteilen Grundlagen.
herangeschoben, daß der geradlinige Rand des Ansatzes, nunmehr als Ziehkante gebraucht, durch den Zugpunkt ging. Das Verschieben der Schmöllnitzer Scheibe an den Zugpunkt geschah in seitlicher Richtung durch Verlängern oder Verkürzen des Lineals, in der Höhenrichtung des Zeichenblattes durch Verschieben entlang der Anschlagleiste. Wenn sich die aufgetragenen Züge schon zu sehr dem befestigten messingenen ,,Hilfslineal“ näherten oder sich von ihm entfernten, so mußte es an eine andere „Äquatorlinie“ gelegt werden, „daher man im voraus gleich mehrere zu ziehen pflegte“. Einfach war also das Winkelauf tragen mit diesen Schmöllnitzer Scheiben nicht!
J. N. Lang v. Hanstadt, der in seiner „Anleitung zur Markscheidekunst“ als erster eine Schmöllnitzer Scheibe auch abbildet 1 und deren Gebrauch beschreibt, 2 schließt seine Ausführungen mit folgenden Worten:
„Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß Bequemlichkeit und Zeitgewinn für dieses Instrument sprechen. Auch könnte das Richten der Scheibe auf Stunden mittels eines Nonius wesentlich vervollkommnet werden. Allein, wenn man dagegen in Betrachtung zieht, daß die mindeste Störung des Parallelismus beim Schieben und Rücken namhafte Unrichtigkeiten verursachen kann, so verdient doch das Aufträgen mit einem verläßlichen Transporteur bei weitem den Vorzug.“
Trotz dieser im Jahre 1835 erfolgten, nicht sehr günstigen Beurteilung haben sich die Schmöllnitzer Scheiben mehrere Jahrzehnte hindurch im Markscheidewesen Österreichs und wahrscheinlich vor allem Ungarns erhalten, wie aus dem Umstande zu ersehen ist, daß J. Adriany diese Winkelauftraggeräte noch 1861 erwähnt und abbildet. 3
Man kann sonach für die „Schmöllnitzer Scheiben“ eine Lebensdauer von rund 90 Jahren annehmen, da sie von etwa 1780 bis 1870 als Winkelauftraggeräte in markscheiderischer Verwendung gestanden sind. Wenn auch ihre Heimat das Oberungarische Erzgebirge war, wie schon der Name besagt, so fanden sie doch auch ihren Weg in die Hände österreichischer Markscheider, was bei den damals herrschenden regen Beziehungen zwischen den alpenländischen Bergbauen und denen Oberungarns
— man denke nur an die staatlichen Salzbergbaue des Kammergutes und die ebenfalls staatlichen Silber- und Kupfererzgruben von Schemnitz, Göllnitz, Herrengrund
— nicht weiter wundernimmt.
Die Zulegeplatte.
Die Aufzählung der Winkelauftraggeräte kann nicht abgeschlossen werden, wenn nicht auch der Zulegeplatte gedacht wird, jenes markscheiderischen Hilfsgerätes, das Nicolaus Voigtel 1686 erfand.
Es ist dies eine quadratische oder rechteckige messingene Platte, meist mit abgeschrägten Ziehkanten ausgestattet, in die der Kompaß eingesetzt wird und sodann zum „Zulegen“, d. i. Aufträgen von Winkeln, verwendet werden kann. Zulege- platten finden sich heute noch in manchen kleinen Markscheidereien ostmärkischer Bergbaue, doch sind sie selten geworden. Die Zulegeplatte ist eine Mansfeldische
1 Pest 1835, Taf. VI.
2 § 51, S. 72.
3 Joh. Adriany, Markscheidekunde § 120, S. 100 bis 101, Abb. auf S. 100, Wien 1861.