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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Winkelteilungen.

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um die Wende des 16. Jahrhunderts auch in Deutschösterreich in Gebrauch gewesen sein müssen, geht aus der Tatsache hervor, daß das in Bild 88 und 89 wiedergege­bene, aus dem Jahre 1595 stammende Winkelauftraggerät 1 den Viertelkreis vorder­seitig in 12 Halbstunden, rückseitig aber in 90° geteilt hat.

Neben der von 1 bis 360 durchlaufenden Gradteilung sind der Vollständigkeit halber noch eine alte, sogenannteschwedische Einteilung in 4x90° aus dem Jahre 1785 2 sowie eine in neuester Zeit beim Hängetheodolit in Holland angewandte Grad- teilung in 2 X 180° zu erwähnen.

i) Neugrade.

Als jüngste im Markscheidewesen auftretende Winkelteilung ist nun schließlich die Teilung in Neugrade zu erwähnen, bei welcher der Kreisumfang statt in 360° in 400 gleiche Teile geteilt wird.

Erfolgt bekanntlich die Unterteilung einesbabylonischen Grades im Hexa- gesimalsystem in 60 Minuten zu je 60 Sekunden, so geschieht die Unterteilung der Neugrade des Zentesimalsystems in 100 (Neu-) Minuten zu je 100 (Neu-) Sekunden. Die 400°-Teilung oder sogenannte Zentesimalteilung wurde von Frankreich aus vor­geschlagen. Dies steht im Zusammenhang mit der Einführung der Dezimalmaße zur Zeit der ersten französischen Revolution im Jahre 1798. Das Gesetz zur Einführung des Dezimalsystems in Frankreich stammt vom 10. Dezember 1799. Welche In­strumentenbauer erstmalig die dezimale Kreisteilung angewendet haben oder welche hierfür besonders eingetreten sind, konnte nicht ermittelt werden. Tatsache ist, daß vor allem die Astronomen die Zentesimalkreisteilung abgelehnt haben und auch sonst im Markscheidewesen und in der Feldmeßkunst die 400°-Teilung bisher nicht recht Fuß fassen konnte. Durch Verordnung wurde jedoch vor kurzem die Ein­führung der Neugradteilung im Dritten Reich bis 1. April 1945 angeordnet. 3 Bis dahin ist die Umänderung der Teilkreise im besonderen bei den Gebrauchstheo­doliten, die für die Vermessung von Landesdreiecken und Aufnahmenetzen be­stimmt sind, durchzuführen. Nach dem 1. April 1945 sollen im allgemeinen nur noch Instrumente mit neuer Teilung im Gebrauch sein. Vor etwa 10 bis 15 Jahren waren in einigen Ländern Deutschlands auch 360°-Teilungen mit zen­tesimaler Unterteilung eines jeden (Alt-) Grades in 100 (Neu-) Minuten zu je 100 (Neu-) Sekunden (also dezimale Unterteilung eines Alt-Grades) versuchsweise in Verwendung, sind jedoch heute außer Gebrauch.

1 Leobener Hochschule, Inv.-Nr. VC 60.

2 P.Wilski, 1. c., II. Bd., S. 112.

3 Runderlaß des Reichs- u. Preuß. Min. d. Innern VI A 7370/6818 vom 18. Okt. 1937 (RMBliV. S. 1689), siehe: Zeitschr. f. Vermessungswesen. Bd. LXVI, H. 23, S. 715 bis 717, Berlin, 1. Dez. 1937.

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