Die kulturelle Stellung des Markscheiders.
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auch alle Lehen und Gedinge durch unseren beeideten Schiner und wenn sich dort keiner findet, durch unseren Bergrichter oder denjenigen, welchen dieser dazu bestimmt, mit der rechten Schnur abgezogen werden.“ 1 Ferner bestimmt Artikel 81: „Der Bergrichter, Schichtmeister, Fröhner, Schiner und unsere übrigen Amtleute sollen fleißig darüber wachen, daß man gutes Scheidwerk mache. Damit aber dieses geschehe, verordnen wir, daß sich die Bergrichter allenthalben auf Bergwerken alle Quatember einmal samt Fröhner und Schiner, wo sich welche befinden, in die Gruben begeben.“ Weiter waren nach Artikel 146, Absatz 2, „die Gebühren des Bergrichters oder Schiners, wenn sie einer oder mehreren Gruben ihr Maß oder Schnur gaben, die gleichen, nämlich von jeder Grube 18 Kreuzer“. 2
Daß bereits um die Mitte des 15. Jahrhunderts, wenigstens in Tirol, die Arbeit des Schiners als schwierig und von Bedeutung anerkannt wurde, beweist eine Stelle in der Bergordnung für Schwaz, die Herzog Siegmund von Tirol zu Innsbruck am 26. Juli 1449 erließ. 3 Punkt 7 dieser Bergordnung lautet:
„Dort bes gefchmornen Schiners megen, ber mag einfahren mit bem bergmaifter unb fchin, mag urtb mafj 4 geben, molt er aber niemanb bet ihm haben, ban mem er gern haben mill, bas ftefyt bey ihm unb mann er bie fchinn gewann hat, unb bas fein bie gemerefen begefyrn, fo foil er mit bem bergntaifter urib etlichen gefchmornen entfahren unb ihm bas saigen unb aisbann nach ratt 5 bie fdpbeifen fdjlachen treu» lieh unb ofytgefätjrlid} jebem tfyail nach feinen gerechtigfeiten als bergmerefs recht ift."
Wir sehen, daß im Jahre 1449 in Tirol der Markscheider seinem Fürsten einen Eid abgelegt haben muß, da er ein „geschworener Schmer“ genannt wird, und daß es ihm freigestellt war, wen er bei seiner Arbeit bei sich haben wollte, um seine „Kunst“ nicht Unberufenen verraten oder preisgeben zu müssen. Dieses Bestreben nach Geheimhaltung markscheiderischen Wissens werden wir auch noch später, im Salzkammergut durch ganze Generationen hindurch, an treffen.
Punkt 26 derselben Bergordnung aus dem Jahre 1449 lautet: 6
,,Uls bas bergmercf hat begert eines gefchmornen fdpners, ba ift unfer meynung, baß ber fdjner bem bergrichter in gegenmärtigfeit bes bergmaifters unb ber gefchmornen anftatt ber fyerrfcfyaft unb bes bergmerfs fcfymörn foil, bod] auf ber fyerrfcfyaft unb bes bergmerefs miberrueffen. Unb in melden pau ber fdpner fdjinen foil, ba er tfyail inn hat ober fonft uermofynt ift, ba foil ein bergmaifter unb bie gefcfymorne barob fein, bamit jebem tljail nach ber billichfeit befcfyefye alles getreulich unb ohne gefehrbe unb berfelbe fd]iner, mann er eine grueben absiecht, foil man ihm für feinen lohn geben \8 f., man er aber 3 mey grueben uon einanber entfdpb, fo fo(ll) ihm jebe grueben geben 9 f. unb uit mehr, als bann bie fchinner t>on f}all haben gehabt, mann er aber ein altes eifen, bas man normales auch fit hat bracht meiter bringt, ba foil man ihm halben lohn geben, nemlichen jebe grueben ^ f. 6 fr. p. r>on baiben grueben 9 f-"
1 Bergk Ordnung der Niderösterreichischen Lannde. Vom Jahre M.D.LIII. Neue Auflage. (Ferdinandeische Bergordnung.) Wien 1839.
2 Nach E. Treptow, 1. c., S. B 504, waren 18 Kreuzer = 1 / i Thaler.
3 St. Worms, Schwazer Bergbau im fünfzehnten Jahrhundert. S. 115. Wien 1904.
4 Schin, Wag und Maß = Richtung, Neigung und Länge der Schnur.
5 ratt = Beratung.
6 St. Worms, 1. c., S. 122 bis 123.