Heft 
1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen

134

Die kulturelle Stellung des Markscheiders.

Die vorletzte Zahl bedeutet 4 Schilling, 6 Kreuzer-Pfennig. Nach E. Trep­tow 1 ist dies soviel wie neun Zehntel Goldgulden und war etwas weniger, als der Wochenlohn des Schaffers, des Schmelzers oder eines Häuers betrug. Freilich wissen wir nicht, wie lange der Schiner damals zur Vermessung und Auswertung brauchte; auch kennen wir nicht die damals durchschnittliche Ausdehnung der Tiroler Gruben­baue. Immerhin aber scheint die Bezahlung des Schmers nicht sonderlich hoch gewesen zu sein.

Hundert Jahre später, für die Zeit um 1550, sind wir durch dasSchwazer Berg­buch und die bereits genannte Ferdinandeische Bergordnung vom Jahre 1553, gleichfalls für die Tiroler Verhältnisse, die sich damals wesentlich geändert hatten, besser unterrichtet. Der zweite und der letzte Absatz des Artikels 146 der Ferdinan- deischen Bergordnung lauten betreffend die Gebühren des Schmers: 2

ben ber 23ergfrid}ter ober Sdpmter airter ober mefyr gruebn 3^ maß ober Sdirtüer, 3ft man non yeber gruebn 21d?t3efyen Creüfcer 3 ugebn fcfyulbig."

IDann ber Scanner ain gruebn ab3eufj, fo foil <£r 311 Ion fyaben ain pfunt, fed?s fdplling, 3tr>ölf pfening, rmö oberlanb fein 3tmltdie 3erung, <£nbfd?aibt (£r aber 3mo grüebert non einanber, foil man 3fy geben brey pfunt, mer fdplling, öterunb* 3 mainhtg pfening, bann non ainent <£yfen 3mifd]en 3U>ayer grüeben für 3ubrittgen, es fey fern ober nafyent, foil man 3^ m »on yeber gruebn geben mer fcbüling pfening."

Aus demSchwazer Bergbuch sind nun die Wochenlöhne von Gruben­angestellten, Häuern und Förderern bekannt. 3 Mit diesen und den Löhnen vom Jahre 1449 verglichen, 4 ergibt sich, daß sich die Löhne der besser gestellten Bergleute (Hutleute, Häuer) nicht geändert hatten, die der jüngeren Arbeiter um ein Geringes gebessert worden waren, was aber auch mit der Verschlechterung und einer geringeren Kaufkraft der Kleinmünzen Zusammenhängen konnte. Die Bezüge des Schmers da­gegen sind erheblich gewachsen. So erhielt er im Jahre 1449 für das Vermessen einer Grube, wie erwähnt, etwa neun Zehntel Rheinische Gulden, 1556 werden ihm dafür aber 1 Pfund, 6 Schilling, 12 Pfennig bewilligt, das sind etwa l 3 / 4 Rheinische Gulden. 4 Und während der Tiroler Markscheider für das Weiterbringen eines Eisens um 1450 9 leichte Schilling, das sind knapp 1 / 2 Gulden, erhielt, werden ihm ein Jahrhundert später dafür 8 schwere Schilling, das ist 1 Rheinischer Gulden, zugebilligt.

Allerdings darf nicht außer acht gelassen werden, daß im Laufe des Jahrhunderts die einzelnen Gruben sicher eine größere Ausdehnung erlangt hatten, anderseits darf wohl angenommen werden, daß sich durch die Erfindung der Schinzeuge in dieser Zeit die markscheiderischen Messungen vervollkommnet hatten, genauer geworden waren.

Wir wissen für die Tiroler Bergbau Verhältnisse um die Mitte des 16. Jahr­hunderts, daß die Schiner damals bei der Verleihung von Grubenfeldern meist bei­gezogen wurden und daß ihre Hauptaufgabe darin bestand, bei Durchschlägen be-

1 E. Treptow, 1. c., S. B 505.

2 Neuausgabe, 1. c., S. 82 und 86. Wien 1839.

3 F. Friese, Das Ettenhartische Bergbuch. Berg- u. Hüttenmänn. Jb., 14. Bd., S. 147, Wien 1865.

4 E. Treptow, 1. c., S. B 506.