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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
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Die kulturelle Stellung des Markscheiders.

Böhmen, Ungarn, Sachsen, dem Harz und anderen Orten, und es wird auf sie nur der Vollständigkeit halber hingewiesen. 1

Aus dem Sächsischen Erzgebirge ist uns in Christian Herttwigs Bergbuch aus dem Jahre 1710 und 1732 ein Sondereid überliefert, 2 den ein Markscheider vor einer schwereren amtlichen Vermessung zu schwören hatte und den ich, da er kultur­geschichtlich wertvoll ist, noch bringen möchte:

,,3d] 27. XI. fcbwere hiermit 511 (5ott beut Allmächtigen einen leiblichen <£yb, baß ich benjenigen ZTiarcFfcbeib^ug, ber mir norißo Berg=Amts wegen anuertrauet morbeit, nach meinem heften tDiffen unb Vermögen, mit aller üreu unb ^leiß, ganß unparteyifch »errichten, alles basjenige, was barbey 5 U obferoiren nöttjig, bem Befinben nad], auffs genauefte unb fleiffigfte beobachten, felbiges auff einen Hiß bringen, unb barbey, wie es befunben worben, notiren unb auffjetdpten, unb biefes alles nicht unterlaffen will, weber um (Sunft, (Sabe, (Sefchenfe, .freunbe unb 5 einbfchaft, noch anberer Urfachen willen, fo wahr mir (Sott helffe."

Vom Salzburgischen Golderzbergbau des 16., 17. und 18. Jahrhunderts wissen wir über das Markscheidewesen oder die Stellung des Markscheiders außer mehreren vorhandenen, wertvollen alten Grubenkarten nicht viel. Bloß einiger Funde sei hier gedacht, die mit den damaligen Schinem in Zu­sammenhang zu bringen sind:

So besitzt die Sammlung der Gewerkschaft Radhaus­berg 3 zu Böckstein drei Holztäfelchen in der Größe 8,5 X 12 cm, 0,8 bis 1,5 cm stark, die zur Bezeichnung von Markscheider­punkten gedient haben (Bild 97). Fundort dieser Mark­scheidertäfelchen war das Hörtengrübel am Radhausberg­massiv. Sie tragen die Zahl 107, offenbar die Nummer des Zuges, den der Markscheider ausführte, und die Jahreszahl 1785 oder 1786. Aus wesentlich früherer Zeit, der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, stammt ein zu Böckstein in der Sammlung Zschocke befindliches Stollenschild aus dem Jahre 1573 (Bild 99). Es ist dies ein gehacktes Weichholzbrett von etwa 50 cm Länge und 2 cm Stärke, das in einem alten Stollen auf dem ersten Hangendgang an der Südseite des Radhausberges im Ödenkar in etwa 2550 m Seehöhe vor einigen Jahren gefunden wurde. Die Beschriftung des Stollenschildes lautet: ALDA DER SCHACHT VON FREITTALL (Freudental)

1 Der Ferdinandeische Markscheider-Diensteid geht bereits auf die Maximilianisehe Bergordnung zurück. Weiters enthalten ihn: Die Churfürstl. Sachs. B. O., Joachiinsthaler B. O., Ungar. B. 0., Hohensteynische B. 0., der Berg-Rechts-Spiegel von Löhneyss.

2 C. Herttwig, Neues und Vollkommenes Berghuch, Dresden 1710 und 1732 (II. Aufl.). Auch erwähnt bei C. Kliever, Der Markscheider, seine Tätigkeit in alter und neuer Zeit. Mitteilungen a. d. Markscheidewesen, S. 46, Freiberg Sa., 1924.

3 Amtlich und dienstlich wird der Name fälschlich Rathausberg statt richtig Rad­hausberg geschrieben. Bezieht sich selbstverständlich auf die alten bergmännischen Einbaue mit Haspelhäusern, ohne jegliche Gemeinschaft mit einem Bürgermeisteramt oder Rathaus.

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Bild 98. Holztäfel­chen (Markscheider­punkte) v. Radhaus­berg aus den Jahren 1785 u. 1786. f 1 /« der nat . Größe .)