Die kulturelle Stellung des Markscheiders.
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GE GENAU S SPRUCH ANNO 1573. Die Schriftzeichen sind als Kerben ins Holz eingeschnitten. Das dritte Zimmer des zum Teil fahrbaren Baus, in dem das Stollenschild gefunden wurde, trägt auf einem Riedel eingeschnitten die Buchstaben und Jahrzahl: M 1548 M. 1 Diese Radhausberger Markscheidertäfelchen und das Stollenschild wurden deshalb erwähnt, da sie sicher von Markscheidern angefertigt oder in Auftrag gegeben wurden.
Aus dem Salzkammergut wissen wir von alter Markscheidertätigkeit nach C. Schramls Untersuchungen folgendes : 2
Die erste vollständige Vermessung des Hallstätter Salzberges stammt vom Bergmeister Hans Httebmer aus den Jahren 1527 und 1528.
Das zugehörige Schinbuch ist, wie bereits erwähnt, erhalten und im oberösterreichischen Landesarchiv aufbewahrt. 3 Grubenkarten gab es damals im Salzkammergut noch keine, wohl jedoch schon im Tiroler Salzbergbau. 4 Das Aufträgen der Schinzüge in verjüngtem Maß wurde im Kammergut erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannt. Bergmeister Hans Riezinger rekonstruierte 1715 aus Huebmers Schinbuch das Hallstätter Grubenbild. Auch die Vermessung vom Jahre 1563 ist ohne zeichnerischen Niederschlag gebheben, da die der Kommission beigezogenen Tiroler Bergleute bei der Grubenvermessung eine im Kammergut nicht gebräuchliche und von den Hall- stättern nicht verstandene Kompaßstundeneinteilung verwendet hatten.
Es folgen nun einige weitere Vermessungen des Hallstätter Salzbergs, darunter eine kurz vor 1654. Deren Ausführung war der Bergmeisterschaft Vorbehalten, die ihr Wissen sorgsam hütete und als Familiengeheimnis den Söhnen vererbte. Das Vermessen war damals eine gar wichtige Sache; nach der Bergordnung von 1617 nahmen an jeder Schin der Bergmeister, Schaffer, Wasserknecht und drei Geschworene teil (Bild 100), deren jeder hierfür täglich 20 Kreuzer empfing, und zwar 10 Kreuzer wie bisher und 10 Kreuzer für Suppe und Trank. Die Amtsleute, welche der Schin nachsehen sollten, erhielten 30 Kreuzer für den Schingang und die Zehrung.
Die gewöhnlichen, in bestimmten Zeitabschnitten wiederkehrenden Verschi- nungen in Hallstatt waren bloße Teil Vermessungen, um die Fortschritte im Vorbau wie bei der Anlage von Verbindungsschürfen und neuer Werke aufzunehmen und sie
1 Für die schriftliche und zeichnerische Mitteilung dieser drei Markscheiderpunkte und der Freudentaler Stollentafel bin ich Herrn Dr.-Ing. E. Preuschen zu Dank verpflichtet. Finder der Stollentafel ist Markscheider K. Zschocke, Finder der Täfelchen Ing. Florentin.
2 C. Schraml, Das oberösterreichische Salinenwesen. Bd. I., S. 140 bis 142.
3 O.-Ö. Landesarchiv Linz a. D., Abteilung Salz-Oberamts-Archiv, Bd. 13, Nr. 45B.
4 Die älteste mir bekannte datierte Grubenkarte stammt aus dem Jahre 1534.
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Bild 99. Sfollenschild der Gewerk
schaft Radhausberg, Böckstein, aus dem Jahre 1573.
(*l s der nat. Größe.)