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Die kulturelle Stellung des Markscheiders.
dann in die Hauptkarte zu übertragen. Bei der Ungenauigkeit derselben mußte es bald zu Unstimmigkeiten kommen, welche die Fortsetzung der Baue erschwerten. 1675 beklagte sich die Bergmeisterschaft, daß sie sich nach der alten Mappe nicht mehr richten könne, der Grundriß sei nicht verläßlich, man könne die notwendigen Durchschlage ohne Verwirrung des Salzberges nicht weiterführen. Eine Neuver- schinung sei notwendig. Die Hofkammer bewilligte zwar den dahingehenden Antrag, scheint aber daraufhin doch das Vertrauen in die markscheiderischen Fähigkeiten der Hallstätter einigermaßen verloren zu haben, da sie 1681 dem Mathäo Franzisco Poppl, Mathematico, für die Verfassung einer Mappe über den Hallstätterischen Salzberg zu den bereits empfangenen 311 Gulden noch 50 Taler auszahlen ließ. Poppl
war jedenfalls ein Berufsgeometer, wie solche damals Vermessungen aller Art und selbst umfangreiche Landaufnahmen durchführten. 1688 wurden dem Maler Perlohner für geometrisches Delinieren und in Grund legen des ganzen Salzkammergutes von der Hofkammer 500 Gulden angewiesen.
Für das alte Schinwesen am Hallstätter Salzberg war die Zeit vorüber. Graf Starhemberg, der als Vizepräsident der Hofkammer den Bergbau im oberungarischen Erzgebiet kennengelernt hatte, veranlaßte 1707 die Entsendung des Schemnitzer Bergschreibers Leopold Berger in das Salzkammergut, um die so nützliche Kenntnis der bergstädtischen Schinkunst auch zu Hallstatt und Ischl auszubilden, den Offizieren und Geschworenen Unterricht in dem Markscheidewesen zu geben und sie in der Handhabung der erforderlichen, von der Hofkammer bereitgestellten Instrumente zu unterweisen. Das bergstädtische Schinzeug kostete 24 Gulden. Berger bezog neben den Reisekosten wöchentlich 5 Gulden und blieb vom Oktober 1707 bis zum Januar 1709 im Salzkammergut. Die Abberufung Bergers von Schemnitz war bald nach dem Zusammentritt der Hauptvisitätionskommission erfolgt, nachdem Starhemberg den Hallstätter Salzberg besichtigt und die ganze Rückständigkeit des dortigen Vermessungswesens erkannt hatte. Nach seinem Urteil war die Art weitschichtig und langsam, vielen Irrsalen unterworfen. Man hatte aus der Schin ein Akzidenz gemacht, weil alle, die dabei waren und mitarbeiteten, wenn auch nur für drei Stunden, sich doch das ganze Liefergeld zu 20 Kreuzer auszahlen ließen. Die Bergstädtenpraxis wäre verläßlicher, geschwinder, auch leichter, man braucht nicht so viele Leute; statt acht Männern waren nur ihrer drei und zwei Buben zum Leuchten. Starhemberg verlangte weiters für jede wichtigere Grubenaufnahme
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Bild 100. Salzkammergut-Markscheider bei der Arbeit.
Farbige Darstellung auf einer aus der Zeit um 1720 stammenden bildlichen Salzbergbaukunde. (0. Ö. Landesmuseum Linz a. d. D.) —Es nahmen damals an jeder Schin teil: Bergmeister, Schaffer, Wasserknecht, drei Geschworene und zwei Knappen zum Leuchten.