Die kulturelle Stellung des Markscheiders.
139
eine Kontrollvermessung und die Sammlung der Schinzüge in ein Register sowie die Führung eines Bergbuches über die Vermessungen. Die Hallstätter und Ischler Bergmeisterschaft übernahm die neue Vermessungsart nur widerwillig und blieb in der Kartierung ihren althergebrachten Gepflogenheiten noch lange getreu.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte im Salzkammergut das Markscheidewesen aufgehört, das erbliche Monopol einzelner Bergmeistergeschlechter zu sein, die Grubenkarten verloren allmählich ihr bildhaftes Äußere und waren sachlicher und genauer geworden. 1763 wurde angeordnet, daß nicht bloß auf den Salzbergen allein, sondern auch im Salzoberamt zu Gmunden wie bei den Verwesämtern verläßliche Gesamthorizont- und Tagmappen vorhanden zu sein haben und daß in ihnen auch die schon angelegten wie die neu anzulegenden Werker einzuzeichnen seien. Da es in Hallstatt und Ischl an gutem Vermessungs- und Zeichengeräte fehlte, wurden für das Kammergut Meßtische, Reißzeuge, Quadranten, Diopter und Kompasse in Wien gekauft. 1785 war der Salzberg zu Hallstatt mit den neuen Instrumenten bereits vermessen und das Ergebnis in je einer Etagenkarte der oberen, mittleren und unteren Horizonte verzeichnet worden. Zur besseren Ausbildung der Markscheider erwarb das Salzamt über höheren Auftrag eine genügende Anzahl der 1793 vom Schemnitzer kgl. ungarischen Markscheider Möhlin g verfaßten Anleitung zur Markscheidekunst. Ob diese noch irgendwo erhalten ist, konnte ich noch nicht ermitteln. Ein vorzüglicher Vermesser war damals der Hallstätter Truhener und später Ischler Geschworene Michael Keeer, dessen Grubenkarten ihm, wie die Hofkammer bemerkte, zur Zierde gereichten. Seine beste und größte Leistung war die vollständige Neuaufnahme und Kartierung des Hallstätter Salzbergs, die er im Verein mit dem Bergmeister Mos- hammer im Jahre 1815 nach achtjähriger mühevoller Arbeit zu Ende führte. Die Hofkammer belohnte ihn dafür mit einer Remuneration von 300 Gulden und wollte nunmehr von ihm auch den Ischler Salzberg auf genommen haben. 1
Bis zum Übergang auf die Kohlenfeuerung war die Salzerzeugung im Salzkammergut auf den Holzertrag der Wälder angewiesen, die alle, auch die herrschaftlichen und Privatforste des ganzen oberösterreichischen Alpenvorlandes bis Kremsmünster, mit dem Reservatrecht des Staates zum Zweck des Bergbaumonopols belegt waren. Das Salzamt in Gmunden war die oberste Verwaltungsstelle sowohl für das Salzwesen wie für die Waldwirtschaft. Wir können daher mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten, daß neben den laufenden Arbeiten auf den Salzbergen die Markscheider des Salzkammergutes auch Forst Vermessungen durchzuführen hatten, wie uns solch ein erweiterter Aufgabenkreis des Markscheiders auch aus anderen Bergbaugebieten, z. B. aus dem Harz, bekannt ist. 2
Allgemein gesprochen, dürfen wir endlich neben der Heranziehung als Forstleute die Markscheider auch als verwendbare Mathematiker betrachten, die dann befragt wurden, wenn es galt, irgend eine schwerere mathematische Aufgabe zu lösen, bei der Dezimalen verwendet wurden. Denn mit Dezimalen konnten im 17., 18. und 19. Jahrhundert nur die wenigsten Menschen rechnen, was auch ganz erklärlich ist, da 1 Lachter in 8 Teile je 10 Zoll je 10 Linien oder 1 Klafter in 6 Fuß zu je 12 Zoll
1 C. Sciiraml, Das Oberösterreichische Salinenwesen, 1. c., Bd. II., S. 118 bis 119.
2 W. Nehm, Die Oberharzer Markscheider um das Jahr 1700, Clausthal, 1. c., 1935.