Aufsatz 
Ludwig Erhard / von Karl Holey
Entstehung
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Ludwig Erhard.

der Leitung des Gewerbeförderungsdienstes. 1 Das Technologische Gewerbemuseum hatte 1900 einen dreistöckigen Neubau in der Severingasse erhalten, der für die Aufnahme von Werkstätten, Maschinenhallen und Sammlungen bestimmt war. Damit in Verbindung wollte Exner einen in das Jahr 1889 zurückreichenden Plan verwirklichen, die Schaffung eines Museums für die Geschichte der österreichischen Arbeit. An allen diesen Aufgaben sollte Erhard mitarbeiten. In den Jahren 1902 l) bis 1905 war Erhard Mitglied des Redaktionskomitees derMitteilungen des Technologischen Gewerbemuseums. Im Jahrgang 1902 erschienen von ihm zwei AufsätzeDie technische Verwertung des Spiritus in Deutschland, ein Bericht über die Ausstellung der Spiritusindustrie in Berlin 1902, 2 undNeuere Spiritus- Heizungsapparate. 3 Im nächsten Jahr veröffentlichte er eine gründliche Ab­handlung über ,,Spiritus-Glühlampen 4 undSpiritus-Motoren 5 mit Berichten über Versuchsreihen und Untersuchungen über wirtschaftliche Eignungen. Als eigentlicher technischer Leiter des Gewerbeförderungsdienstes hatte er drei Haupt­aufgaben: die Veranstaltung von Ausstellungen, Einführung von Meisterkursen und die Lehrlingserziehung, also Aufgaben technisch-wirtschaftlicher und sozialer Art. Abgesehen von der jährlichen Teilnahme an kleineren Ausstellungen, war er Direktor der Internationalen Ausstellung für Spiritusverwertung und Gärungs­gewerbe in Wien 1904 und Berater der großen Deutschböhmischen Ausstellung in Reichenberg im Jahre 1906. Ein Lieblingsgedanke von ihm, den er später weiter verfolgte, war die Förderung der alpenländischen Kleineisenindustrie, worüber der ihm unterstellte Inspektor H. Pösendetner im Jahrgang 1904 der erwähnten Mitteilungen berichtete. 6

Die folgenden Jahre sind dem organisatorischen Ausbau des Gewerbeförderungs- dienstes gewidmet. Aus kleinen Anfängen, die bis in das Jahr 1892 zurückreichen, als Exner einenTechnischen Dienst zur Förderung des Kleingewerbes am Techno­logischen Gewerbemuseum gründete, 7 entwickelte sich die Einrichtung, die auf eine beachtenswerte und vorbildliche Höhe anstieg, wobei neben dem an neuen Einfällen reichen Direktor Exner dem Leiter des Instituts, Ludwig Erhard, ein großes Verdienst zukommt. Seit 1904 war die von dem Kleingewerbe sehr begrüßte Anstalt unter der BezeichnungGewerbeförderungsdienst des k. k. Handels­ministeriums beim Technologischen Gewerbemuseum verstaatlicht worden, bei welchem Anlaß Erhard zum Oberbaurat vorrückte, im Jahre 1908 wurde sie in einGewerbeförderungsamt umgewandelt.

, In seiner Eigenschaft als Leiter des Gewerbeförderungsdienstes hat er als Jubi­läumsveranstaltung 1907/08 die Ausstellung für die Handwerkstechnik in Wien durch-

1 Mitt. des Technol. G-ewerbemuseums in Wien, S. 30, 1901.

2 Ebenda, S. 3, 1902.

3 Ebenda, S. 175, 1902.

4 Ebenda, S. 12, 1903.

5 Ebenda, S. 194, 1903.

6 H. Pösendeiner, Kleineisenindustrie im Bezirke der Handels- und Gewerbe­

kammer Leoben. Mitt. des Technol. Gewerbemuseums in Wien, S. 104, 1904, undDie Wiederaufrichtung der Stubaier Kleineisenindustrie in: Blätter für Technikgeschichte II. 1, S. 128 137. Wien 1932.

7 Die technisch-wirtschaftliche Gewerbeförderung in Österreich, Wien 1929.