Ludwig Erhard.
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geführt und dem Katalog richtunggebende Ausführungen über „Neuzeitliche Handwerkstechnik“ vorangestellt, worin er die zwei Begriffe, Handarbeit und Maschine, die sich scheinbar gegenseitig ausschließen, miteinander in Beziehung setzt, den Maschinen im Handwerk den Charakter erweiterter und verbesserter Werkzeuge zuerkennt und den Leitsatz auf stellt: ,,I)ie Maschine muß im Handwerksbetrieb auf gehen und nicht das Handwerk in der Maschine.“ 1 Der Katalog gibt eine wertvolle Übersicht über die Tätigkeit der staatlichen Gewerbeförderung in Österreich und vermittelt nicht nur einen Einblick in die Förderung der neuzeitlichen Handwerkstechnik durch die Benützung der Handwerksmaschinen, sondern auch durch die Veredlung wohlgeschulter Handarbeit, die in Musterbetrieben der verschiedenen Handwerke, wie Schuhmacher,
Schneider, Bau- und Möbeltischler, Zimmerer,
Schlosser, Werkzeugmacher, Galvanotechniker und Elektroinstallateure, vorgeführt werden.
Seine hohe Auffassung von den Aufgaben der Gewerbeförderung hat Erhard in einem Vortrag auf dem zweiten internationalen Mittelstandskongreß in Wien am 5. Oktober 1908 mitgeteilt. 2 Er geht aus von einer Gegenüberstellung handwerksmäßiger und kapitalistischer Wirtschaftsform, die er graphisch darstellt, behandelt in der Untersuchung der technischen Grundlagen die soziale Bedeutung der Maschinenarbeit, die er darin sieht, „daß sie der Vergeudung und Entwicklung der edelsten und wertvollsten Kraft, der menschlichen Energie, entgegen wirkt“. 3 Die Verbesserung und Durch- geistigung der gesamten gewerblichen Arbeit ist ihm das vornehmste Ziel der Technik und der damals neue Gedanke der Werkkunst wird von ihm in seiner ethischen und wirtschaftlichen Bedeutung hervorgehoben.
Einen breiten Raum der Darlegungen nehmen die Ausführungen über die technisch-wirtschaftliche Gewerbeförderung ein, die darauf hinzielen, eine Neu- belebung des Handwerkes auf technisch-wirtschaftlicher Grundlage anzustreben durch Paarung der Maschinenarbeit mit der Handarbeit in der Weise, daß die Handfertigkeit und Geschicklichkeit des Gewerbetreibenden bei einzelnen Teilarbeiten durch Hilfsmaschinen unterstützt werden. Musterbetriebe und Meisterkurse sollen dazu beitragen, eine neue „Gewerbekunst“ zu schaffen, die auf der lebendigen Beziehung von Kunst und Technik beruht. Der österreichische Staat stellte große
1 G-ewerbeförderungsdienst des k. k. Handelsministeriums, Ausstellung für die Handwerkstechnik, Wien 1907, 1908. L. Erhard, Neuzeitliche Handwerkstechnik,
S. 6.
2 L. Erhard, Richtlinien der technisch-wirtschaftlichen Gewerbeförderung. Wien 1910.
8 A. a. 0., S. 4.
Bild 3. Ludwig Erhard 23 Jahre alt.