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Ludwig Erhard.
Mittel zur Verfügung, um dieses Ziel durch wirtschaftlichen Zusammenschluß der Kleingewerbe in Betriebsgenossenschaften zu erreichen, die nicht allein auf administrativem Wege, sondern vor allem durch Darlehen und Maschinenüberlassung gestützt und durch fachmännische Berater in technischer und kaufmännischer Hinsicht gepflegt wurden.
Nach beinahe elfjähriger fruchtbarer und organisatorisch aufbauender Tätigkeit scheidet Erhard aus dem Amt, um einen neuen größeren Wirkungskreis zu übernehmen: er wird vom 1. Juli 1910 dem Arbeitsausschuß des in Gründung begriffenen Technischen Museums als technischer Beirat von seiner Vorgesetzten Behörde, dem Ministerium für öffentliche Arbeiten, zur Verfügung gestellt. In der vollen Reife seines Mannesalters, mit 47 Jahren, hat Erhard die neue Aufgabe, die Hauptaufgabe seines Lebens, übernommen und durch 20 Jahre, bis zu seinem durch ein Augenleiden begründeten Rücktritt von der Leitung des Technischen Museums, seine ganze Kraft und seinen zähen Willen dem Aufbau und Ausbau des großen Werkes gewidmet.
Um seine Leistung richtig einzuschätzen, soll versucht werden, die Vorgeschichte der Aufgabe darzustellen, wobei nicht die Absicht besteht, eine Geschichte des Technischen Museums in Wien zu schreiben, sondern nur die für Erhards Wirken wichtigen Umstände hervorzuheben. 1
Als das Technische Museum für Industrie und Gewerbe in Wien im Entstehen war, gab es schon eine Anzahl von Vorbildern, aber der Begriff eines technischen Museums in Wien wa^ doch nicht so fest Umrissen, daß man einfach allgemein gültige Grundsätze hätte an wenden können.
Die Aufgaben der bis dahin bestehenden Einrichtungen lagen im wesentlichen auf drei Gebieten, die mehr oder weniger gleichmäßig betont miteinander vereinigt waren oder von denen, je nach den besonderen Umständen ihrer Entstehung, das eine oder andere stärker hervorgehoben war.
Die ursprüngliche Aufgabe war die Förderung von Gewerbe und Industrie durch die Schaustellung und Vorführung von neuen Werkzeugen und Maschinen und von mustergültigen Leistungen der Technik. Bei der raschen Entwicklung der Technik veralten die als Vorbilder und Muster gezeigten Gegenstände und werden in kurzer Zeit geschichtlich bedeutsame Zeugen des Werdens der Technik, und so ergibt sich von selbst die Darstellung einer historischen Entwicklung der Technik als zweite Aufgabe. Damit die erste Bestimmung, Förderung des Gewerbes und der Industrie, lebendig erfüllt werden kann, ist eine Erklärung ihrer Anwendungsmöglichkeit und die Fortbildung der Gewerbetreibenden nötig und damit im Zusammenhang besteht für die Lehrenden die Möglichkeit und Notwendigkeit der Weiterbildung durch den Forschungsbetrieb als die dritte Aufgabe.
Muster- und Vorbildersammlung, geschichtliche Schaustellung der Entwicklung und Lehr- und Forschungsanstalt, das sind die drei wesentlichsten Aufgaben der älteren Museen technischer Richtung.
1 Siehe auch: S. Brosche, Gründungsgeschichte des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien, in: BfTG (Abkürzung für Blätter für Technikgeschichte), H. 1, S. 199, Wien 1932.