Ludwig Erhard.
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Alle drei sind schon in dem ältesten technischen Museum, im Conservatoire des Arts et Metiers in Paris, vereinigt. Seit dem Jahre 1794 ist in dem mittelalterlichen Kloster St. Martin des Champs das älteste Vorbild der technischen Museen untergebracht. Hervorgegangen aus der Sammlung von Werkzeugen und Maschinen, die von Vaucanson herrührt und Ludwig XVI. vermacht worden war, vereinigt die Anstalt alle Zweige der technischen Arbeit, aller neuen technischen Erfindungen und Patente und in engem Zusammenhang damit den Lehrbetrieb an der 1820 gegründeten Ecole Centrale des Arts et Manufactures, die Ingenieure und Wirtschaftstechniker heranbildet und der seit 1902 Versuchsanstalten für die verschiedenen technischen Zweige angegliedert wurden. 1 Eine große Bücherei, mehrere Vortragssäle und Laboratorien sind im Museum untergebracht.
Aus einer Sammlung technischer Erfindungen des Patentmuseums, vorwiegend mathematischer Art, ist die technische Abteilung des South Kensington-Museums in London hervorgegangen, die sich auch heute noch auf die erwähnten Zweige der Technik beschränkt. Der Gedanke eines ausdrücklich so genannten Konservatoriums der Künste und Gewerbe erscheint in dem Organisationsentwurf Johann* Joseph Prechtls für das Polytechnische Institut in Wien. Der von der k. k. Studienhofkommission am 19. September 1817 genehmigte Entwurf legt besonderen Wert auf die Ausgestaltung einer Eabriksproduktensammlung, und um die Anstellung als Kustos dieser Sammlung bemühte sich vergeblich Stephan von Keess , 2 der dann als erster Kommissär bei der X.-Ö. Eabriksinspektion eine Lehrsammlung für die Gewerbetreibenden und Industriellen anlegte, über die er 1820 ausführlich berichtete. 3
Die Fabriksproduktensammlung am Polytechnischen Institut machte rasche Fortschritte. Schon im Jahre 1825 gab Aetmütter eine Beschreibung der Werkzeugsammlung heraus und sein Assistent Karl Karmarsch, der Begründer der wissenschaftlichen Technologie und nachmalige Organisator der Technischen Hochschule in Hannover, veröffentlichte im 4. Band der Jahrbücher des Polytechnischen Instituts eine Beschreibung des „Nationalfabriksproduktenkabinettes“. Eine große Bereicherung erfuhr diese Sammlung durch die technologische Sammlung Kaiser Ferdinands I., der als Kronprinz eine derartige Sammlung begonnen hatte, die unter der Leitung von Reuter und Burg beim Regierungsantritt Ferdinands schon auf 40000 Stück angewachsen war. 4 Die Sammlung war nicht nur als Lehr- und Studienbehelf des Instituts gedacht, sondern nach dem Organisationsplan sollten öffentliche Ausstellungen ,,den Fabrikanten eine günstige Gelegenheit verschaffen, die Fortschritte ihrer Industrie bekanntzumachen“ und „eine lebendige Erkenntnis und Übersicht der jährlichen Fortschritte der Industrialkultur“ vermitteln.
1 Huguet, Catalogue du Conservatoire des Arts et Metiers, 1895. Dyck, Über die Errichtung eines Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik in München, 1903; Exner, Das Technische Museum für Industrie und Gewerbe in Wien, 1908.
2 Neuwirth. Die k. k. Technische Hochschule in Wien 1815—1915, S. 91, Wien 1915,
3 St. v. Kees, Darstellung des Fabriks- und Gewerbewesens im österr. Kaiserstaate, Wien 1820 und 1823.
4 Neuwirth, a. a. O., S. 458ff.