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Ludwig Erhard.
Die Wiener technologische Sammlung blieb aber doch in erster Linie eine Studiensammlung der Schule, und ihre der Allgemeinheit dienende Bestimmung als unmittelbare Einwirkung auf die Gewerbeförderung trat mehr zurück, um erst viel später in anderem Zusammenhang, durch die Vereinigung wichtiger Teile ihres Bestandes mit dem Wiener Technischen Museum wieder aufzuleben.
Als Anstalt zur Förderung des Gewerbes und der Industrie, ohne Zusammenhang mit einem schulmäßigen Lehrbetrieb, entstand im Jahre 1849 das von Ferdinand von Steinbeis gegründete Musterlager in Stuttgart, 1 wobei der Gründer viele Anregungen von dem 1826 in Brüssel ins Leben gerufenen Musöe de l’industrie verwertete. Die Schaustellung von Vorbildern und Mustern war vereinigt mit Meisterwerkstätten und Versuchsanstalten für Gewerbetreibende und Industrielle.
Ähnliche Anstalten, die in erster Linie der Gewerbeförderung dienen sollten, waren die Gewerbehalle in Karlsruhe, das Germanische Museum und das Bayrische Gewerbemuseum in Nürnberg und das 1879 gegründete Technologische Gewerbemuseum in Wien. Letzteres legte das Hauptgewicht auf die Heranbildung des Nachwuchses und die Unterweisung der Gewerbetreibenden.
Im Jahre 1890 tauchte der Gedanke auf, im Anschluß an das Technologische Gewerbemuseum in Wien ein ,,Museum der österreichischen Arbeit“ zu schaffen. Dieses Museum sollte nicht, wie die früheren Anstalten, nur Mustersammlung sein, sondern es sollte, wie der Präsident des N.-Ö. Ge wer be Vereines, Banhans, erklärte, ,,den Entwicklungsgang der Technik in Gewerbe und Industrie zur Darstellung bringen“ und zeigen, „daß der geistigen Arbeit auf dem Gebiete der Technik auch in historischer Richtung die größte Aufmerksamkeit zugewendet ward“. Der Gedanke der Geschichte der Technik, der sich bei den älteren Gründungen ähnlicher Anstalten von selbst eingestellt hatte, wurde hier zum erstenmal als Hauptaufgabe eines technischen Museums herausgestellt. Die Verwirklichung des schönen Planes scheiterte jedoch an den unzulänglichen Mitteln und das Museum der österreichischen Arbeit blieb ein Torso im Rahmen des Technologischen Gewerbemuseums.
Zu gleicher Zeit, wenn nicht etwas früher, hatte man versucht, für zwei mit der Technik eng verbundene Zweige des öffentlichen Verkehrs, für Bahn und Post, geschichtliche Sammlungen anzulegen. Aus den Anfängen des österreichischen Eisenbahnwesens hatte sich das Eisenbahnmuseum 2 entwickelt, und das staatliche Post- und Telegraphen wesen war im Postmuseum des Handelsministeriums in einer geschichtlichen Übersicht dargestellt. Außerdem bestand ein als Vorbildersammlung gedachtes Gewerbehygienisches Museum, das von dem Zentralgewerbeinspektor Dr. Fr. Migerka gegründet worden war.
1 Müller und Piloty, Ferdinand von Steinbeis, sein Leben und Wirken 1807 bis 1893, Tübingen 1907.
2 Über Anregung von Dr. Viktor Röll und A. Orleth wurden Erinnerungsstücke an die Linz-Budweiser Pferdeeisenbahn aus dem Jahre 1824 und Erinnerungen an die Arlbergbahn im Jahre 1886 in Räumen des Kopfgebäudes des Westbahnhofes in Wien und seit 1888 im Verwaltungsgebäude der Westbahn aufgestellt. Die Sammlungen wurden 1894 durch das „Semmering-Museum“ der Lehrkanzel für Eisenbahn- und Tunnelbau der Technischen Hochschule und 1897 durch Gegenstände aus den Beständen der Kaiser-Ferdinands-Nordbalm erweitert. (Beschreibender Katalog des k. k. historischen Museums der österr. Eisenbahnen. Wien 1902. Nachträge 1906 und 1910.)