Aufsatz 
Ludwig Erhard / von Karl Holey
Entstehung
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Ludwig Erhard.

des Aufsatzes überVolkstechnik in BfTG H. 6 anführt, stellt er in den im Jahre 1939 verfaßten Leitsätzen der Technikgeschichte eine neue Aufgabe. 1

Eifrig beschäftigt mit der Drucklegung seiner letzten Arbeit überVolks- teehnik und den Vorbereitungen für das vorliegende Heft und voll neuer Anregungen für das Arbeitsgebiet seiner Lieblingsschöpfung, das Forschungsinstitut für Technik­geschichte, beschloß er am 28. Oktober 1940 in Baden bei Wien sein arbeitsreiches Leben im Alter von 77 Jahren. Seine Gattin war ihm kurz vorher, am 20. August 1939, im Tode vorangegangen. Der Verlust dieser besten Kameradin seines Lebens, mit der er 46 Jahre glücklich verheiratet war und die ihm in guten und schweren Zeiten stets treu zur Seite stand, ging ihm sehr nahe. Sein Wesen trug von dieser Zeit an den Stempel seelischen Schmerzes. Er wurde noch gütiger im Umgang mit seinen Mitmenschen und er vertiefte sich noch mehr denn je in seine Arbeiten.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit verfolgte Erhard die Fragen des Gemein­schaftslebens der Ingenieure mit tätiger Anteilnahme und besonders der Österr. Verein Deutscher Ingenieure verdankt seiner Führung als jahrzehntelanger Vor­sitzender viele Erfolge. Schon im Jahre 1904 war er als Vizepräsident in der Leitung des Automobiltechnischen Vereines tätig und dieselbe Stelle nahm er in den Jahren 1928/29 im österreichischen Ingenieur- und Architektenverein ein.

Sein Wirken im Dienste des Staates und der Allgemeinheit fand Anerkennung durch Ordensauszeichnungen. Der bayrische Staat verlieh ihm den Michaels­orden III. Kl. und die Bayrische Goldene Ludwigsmedaille für Kunst, Wissenschaft und Industrie, Preußen zeichnete ihn durch den Kronenorden III. Kl. und den Roten Adlerorden III. Kl. aus, von Rußland erhielt er den Stanislausorden II. Kl. und Österreich verlieh ihm anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand das Große Ehrenzeichen. Im Jahre 1930 erhielt er von der American Society of Engineers die Goldene Medaille und der Verein Deutscher Ingenieure dankte ihm zu seinem 75. Geburtstag durch die Überreichung des VDI-Ehrenzeichens, das ihm durch den damaligen Stellvertreter des Herrn Reichsministers Dr.-Ing. F. Todt im Vorsitz des VDI, Dr.-Ing. H. Schult, übergeben wurde.

Die technische Wissenschaft ehrte Erhard durch Verleihung akademischer Grade, so zeichnete ihn die Technische Hochschule in Danzig im Jahre 1931 wegen seiner Verdienste auf dem Gebiete der Technikgeschichte und um die Gründung des Technischen Museums in Wien durch die Würde eines Doktor-Ingenieurs Ehren halber aus und die Technische Hochschule in Wien ernannte ihn 1928 zum Ehren­bürger.

In ehrendem Gedenken wurden am Sarge Erhards zahlreiche Kränze nieder­gelegt; eine Abordnung der NSDAP unter der Leitung von Prof. Dr. F. Kuba überbrachte vom Reichsminister Dr.-Ing. F. Todt, Leiter des Gauamtes für Technik im NSBDT, einen großen Lorbeerkranz sowie einen solchen vom Gauamt für Technik, Gauleitung Wien; Prof. Dr.-Ing. C. Matschoss hielt dem Verstorbenen einen warmempfundenen Nachruf und legte für das Deutsche Museum in München als dessen verdienstvollen Förderer und für den Verein Deutscher Ingenieure als verdienten Mitarbeiter Kränze nieder. In gleicher Weise ehrte das Technische

1 Erhard, Volkstechnik, ebenda H. <i, S. 1 und im vorliegenden Heft, 8.28.