30
Zur Begriffsbestimmung der Volkstechnik.
günstigen Versuchsergebnisse führten im Jahre 1936 sogar zu einer Patentanmeldung über die Herstellung von Messern und Schneidewerkzeugen dahin gekennzeichnet, daß feinzerteilte Stahlspäne mit Stickstoff angereichert und hierauf durch Sintern oder Schweißen bei Temperaturen unter dem Schmelzpunkt wieder zu Stücken der gewünschten Größe und Form vereinigt und weiter verarbeitet werden. Überdies verwendet man neuerdings auch Stickstoff zum Nitrieren von Chromnickelstahl, der dann mit 0,17 v. H. Stickstoff und nur 4 v. H. Nickel die gleiche Güte aufweist, wie der berühmte V2 A-Stahl, der 8 v. H. Nickel enthält. Da Deutschland selbst nur wenig Nickelerze besitzt, so ist jede Lockerung dieser lästigen Fessel für die deutsche Metallwirtschaft von besonderem Wert.
■t.;m gy
, *
Bild 1. Haymon und Thyrsus im Zweikampf.
Freskengemälde am „Riesenhauszu Leithen hei Seefeld in Tirol.
Zu all diesen modernen Nitrierverfahren hat der in der Sagengestalt Wielands zusammengefaßte Erfahrungsschatz alter deutscher Volkstechnik die Anregung gegeben. 1
Thyrsenblut — Ichthyol.
Eine andere technikgeschichtliche Sage aus der Zeit Karls des Großen schildert den Zweikampf zwischen dem Ritter Haymon und dem bäuerlichen Riesen Thyrsus bei Seefeld in Tirol. 2 Besiegt und blutüberströmt flüchtete der Riese in die Berge und rief:
„Sprifc urtfcfyulfctg Bluet,
Sei für Diel} urtb lent guet!"
1 Vgl. K.Daeves, „Die Untersuchung altdeutscher Eisenteile“, Rundschau Deutscher Technik, Nr. 26, Berlin 1940.
2 Vgl. F. Sedlacek, „Thyrsenblut“ in Blätter für Geschichte d. Technik, H. 1, S. 73, Wien 1932.