Aufsatz 
Zur Begriffsbestimmung der Volkstechnik / von Ludwig Erhard
Entstehung
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Zur Begriffsbestimmung der Yolkstechnik.

Tauern herrührt und u. a. einen Häuer darstellt, der einen Schlegel mit ge­bogenem Stiel schwingt (Bild 2). Der Gebrauch solcher gekrümmten Stiele rührt vermutlich davon her, daß die Stolleneingänge der dortigen alten Bergwerke zu­meist oberhalb jener Baumgrenze lagen, wo nur mehr das Krummholz der Legföhre oderLatsche (Pinus montana) gedeiht. Die überaus zähen und elastischen Latschenäste eignen sich besonders zum Herstellen federnder Hammerstiele. Bei der Anwendung dieses alpinen Hammers erfährt der Stiel infolge der Trägheit des Hammerklotzes zunächst eine elastische Biegespannung, deren Auslösung dann knapp vor dem Beenden des Hiebes den Prall des Hammers auf das Werkstück erheblich verstärkt.

Eine ähnliche Wirkungsweise weist auch der neuzeitige Transmissions­federhammer mit Kurbelantrieb (Bild 3) auf. Dieses Kurbelgetriebe wäre an und für sich wegen seiner Totpunktslagen zum Betrieb eines Schmiedehammers völlig ungeeignet; erst durch das Einfügen eines federnden Gliedes zwischen dem Endzapfen ( A ) der Pleuelstange und dem Hammerbären (B) kann eine richtige Schlagwirkung erzielt werden. Wie Bild 3 zeigt, betätigt hierbei die auf- und ab­gehende Pleuelstange eine auf dem Hammergestell gelagerte Blattfederwippe ( C ), die den Hammerklotz bewegt und dessen Schlagwirkung beim Niedergehen durch die Auslösung der aufgestauten Federspannung verstärkt.

Im Transmissionsfederhammer hat die neuzeitige Technik eine Schmiedemaschine mit Riemenantrieb, gleichbleibender Schlagzahl und feinfühliger Regelung ge­schaffen; die volkstechnischen Grundzüge dieser Maschine sind aber schon in dem mittelalterigen alpinen Bergmannsschlegel und seinem federnden Latschenstiel enthalten.

Wassertrommelgebläse Strahlapparate.

ln den deutschen Alpenländern mit ihren zahlreichen Sturzbächen stand schon seit altersher das sogenannte Wassertrommelgebläse für Schmelz- und Schmiede­feuer in Gebrauch. Zum Verständnis dieser einst viel verwendeten, aber nunmehr aussterbenden Gebläseart mag der nachstehende Hinweis auf den Schraubenfall bei Hintertux in Tirol (Bild 4) dienen. Der Wasserfall ( A ) hat dort hinter der Fels­wand ( B ) einen runden trommelförmigen Kessel nach Art der Gletschermühlen ausgehöhlt und fließt durch ein enges Wandloch ( D) ab. Im Herabstürzen saugt der Wasserstrahl ( A ) die ihn umgebenden Luftschichten an und reißt sie mit sich in die Tiefe. Beim Aufprallen des lufthaltigen Wassers an den starren Kesselwänden entweicht dann die angesogene Luftmenge und steigt dann in feuchten Schwaden (C) wie ein kräftiger Gebläsewind empor.

Derartige Naturerscheinungen mögen die alte Volkstechnik zur Errichtung von Wassertrommelgebläsen angeregt haben. Die Querschnittzeichnung (Bild 5) zeigt den Aufbau und die Wirkungsweise eines derartigen Gebläses. Der Treibstrahl stürzt hier aus der Einfallsdüse eines Wasserbehälters in ein mehrere Meter hohes Holzrohr (A) und saugt dabei aus einem Lochkranz unterhalb der Düse die umgebende Luft an. In der Trommel ( B ) angelangt, zerstiebt der luftgesättigte Wasserstrahl, die überschüssige Wassermenge entweicht durch das Abfließrohr (D) ins Freie und die aufsteigende Preßluft wird als Gebläsewind mit einem Druck von 0,5 bis 1 m