Zur Begriffsbestimmung der Volkstechnik.
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Wassersäule durch die Windleitung ( C ) der Esse zugeführt. Die Übereinstimmung dieses Vorganges im Wassertrommelgebläse (Bild 5) mit der oben geschilderten Wirkungsweise des Wassersturzes (Bild 4) ist augenfällig.
Das Bild 6 zeigt ein Wassertrommelgebläse, das bis vor wenigen Jahren bei einem Schmied in Mühlau nächst Innsbruck in Gebrauch stand. Bei diesem Gebläse fließt das Betriebswasser aus einem hölzernen Gerinne dem Fallrohr (A) von oben zu, saugt dort die umgebende Luft an, der lufthaltige Treibstrahl wird dann durch
Bild 4. Schraubenfall bei Hinfertux in Tirol.
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B.ld 5. Querschnittzeich- nung eines Wassertrommel gebläses.
Bild 6. Wassertrommelgebläse in Mühlau nächst Innsbruck, das noch vor wenigen Jahren in Gebrauch stand.
seinen Aufprall in der faßförmigen Trommel ( B ) entlüftet und die hölzerne Windleitung ( C ) führt schließlich die erzeugte Preßluft der Düse des Schmiedefeuers in der Werkstatt zu. Ähnliche urwüchsige Gebläse sollen noch in einigen anderen Gegenden Tirols und Kärntens vorhanden sein. Da diese Gebläse ganz aus Holz und ohne bewegliche Teile gebaut sind, können sie von den in der Holzarbeit geübten Alpenbewohnern, gleich den hölzernen Laufbrunnen vor den Häusern, ohne Zuhilfenahme eines Mechanikers angefertigt und im Bedarfsfall auch selbst ausgebessert werden.
Die technikgeschichtliche Bedeutung des Wassertrommelgebläses hegt darin, daß es der volkstechnische Vorläufer all jener Strahlapparate ist, welche die neuzeitige Wissenschaftliche Technik späterhin für Druckwasser-, Preßluft- und Dampfbetriebe geschaffen hat. Die Stammtafel (Bild 7) weist auf die mannigfachen Anwendungsarten solcher Strahlapparate hin. So dienen z. B. Strahlzerstäuber zum Zerstäuben von Duftwässern und Medizinen und von Heizöl für Feuerungen, sowie in der Form von Spritzpistolen zum Aufträgen von Farben und Lacken, ferner Strahlluftpumpen mit Druckwasserbetrieb zur Erzielung eines mäßigen Vakuums
Technikgeschichte 8. Heft. ;{