Aufsatz 
Zur Begriffsbestimmung der Volkstechnik / von Ludwig Erhard
Entstehung
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Zur Begriffsbestimmung der Volkstechnik.

Stäuber- und LöffelräderWasserturbinen.

In wald- und wasserreichen Tälern des deutschen Alpenlandes trifft man noch hier und da schlichte Bauernmühlen als fortlebende Zeugen alter Volkstechnik. 1 Solche urtümliche Mahl- und Sägemühlen wurden meist von den Besitzern selbst unter Beihilfe ortsansässiger Zimmerleute in einfachster Bauart errichtet. Nament­lich die alten Sägewerke suchten Übersetzungen durch Zahnräder oder Riemen­triebe zu vermeiden und verwendeten daher zum unmittelbaren Antrieb des Säge­gatters schnell laufende Stoßräder mit waagrechter Welle. Die Wucht des Wasser-

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Bild 11. Girard-Turbine

Bild 10. Löffelrad, genannt auchStauberrad

Strahles setzt hierbei die kleinen Stoßräder in so rasche Umdrehung, daß sie von dem umherstiebenden Wasserstaub wie von einer Aureole umgeben werden, w'eshalb sie auch im VolksmundStauberräder heißen. Von diesen Stauberrädern führt der Weg der technischen Entwicklung zu den neuzeitigen Freistrahlturbinen mit waagrechter Welle, den Peltonrädern, die jetzt für Gefällshöhen bis zu 1500 m und für eine Leistung bis zu 30.000 PS bei einem Wirkungsgrad bis zu 90 v. H. gebaut werden.

Um bei den Mahlmühlen gleichfalls die Zahnradübersetzung von der waag­rechten Welle des langsamen ober-, mittel- oder unterschlächtigen Wasserrades zur lotrechten Welle des schnellen Mahlganges zu umgehen, hat die alpine Volkstechnik das ursprünglich aus dem Südosten stammende Stoßrad mit lotrechter Welle über­nommen. Ein derartiges, im Technischen Museum zu Wien aufgestelltesLöffel­rad (Bild 10) besitzt 12 gekrümmte Schaufeln, auf welche der Wasserstrahl aus dem Schußgerinne (A) auftrifft und dadurch die Welle ( B ) des darüber befindlichen Mahlganges (C) unmittelbar in rasche Drehung versetzt. Aus solchen Rädern hat

1 Vgl. Lanser,Alte Brücken und Mühlen in Tirol, Blätter für Technikgeschichte, H. 6, S. 1127, Wien 1939.